Welpe Kommando Hier

Das Komm-Kommando: Grundlagen und Aufbau (Teil 1)

Was sich wohl jeder Hundehalter wünscht: Ein Hund, der auf das Kommando *Hier* oder *Komm* noch im Laufen umdreht und sofort zum Hundeführer zurück kehrt, egal wie groß die Ablenkung für ihn auch sein mag. Dies ist keine Selbstverständlichkeit und muss mit viel Training, Geduld und Konsequenz dem Hund beigebracht werden. Sicheres Abrufen aus allen Situationen heraus ist die Lebensversicherung für den Hund, denn ob Wildkontakt, nahendes Auto, Spaziergänger oder Artgenossen: in unseren eng besiedelten Gebieten muss ein Hund abrufbar sein, wenn er ohne Leine laufen darf. Wir haben einige Tipps, sowie eine ausführliche Anleitung zum Trainieren des Abrufkommandos zusammen gestellt. In Teil 1 widmen wir uns den allgemeinen Grundlagen und den ersten Trainingsschritten.

Grundlagen des Komm-Trainings

Wann kann man mit dem Komm-Training beginnen?

Idealerweise beginnt man mit dem Aufbau des Komm-Kommandos bereits im Welpenalter. Natürlich kann man auch dem älteren Hund das Herankommen auf Wort- oder Pfiffkommando beibringen, man braucht nur etwas mehr Ausdauer und sollte berücksichtigen, dass der ältere Hund aufgrund seiner Erfahrung unter Umständen bereits gelernt hat, dass er das Komm-Kommando auch einmal nicht befolgt und daraus keine Konsequenz erfolgt ist. Man braucht folglich länger mit dem Training als bei einem Welpen, der von sich heraus bereits nah am Hundeführer bleiben möchte. Für Hunde, die bereits in der Vergangenheit nicht abrufbar gewesen sind oder die in der Welpen- und Junghundezeit mehrfach erfolgreich sich dem Komm-Kommando entzogen haben, kann es ratsam sein parallel zum Komm-Training das Schleppleinentraining durchzuführen. So verhindert man, dass der Hund sich während des Trainingsaufbaus dem Kommando entzieht. Eine genaue Anleitung zu diesem Training findest du hier.

Wahl des richtigen Kommandos (verbales Kommando und Pfeifkommando)

Du solltest dich auf ein bestimmtes Wortkommando, besser noch auf ein Pfeifkommando mittels einer Hundepfeife festlegen, welches du nur für das Abrufen/Abpfeifen deines Hundes verwenden wirst. Das Wortkommando sollte eindeutig sein, also bsp. *Hier* oder *Komm*, wobei *Komm* bei vielen Hundehaltern bereits im Alltag in anderen Situationen verwendet wird (Beispiel: “Komm mal mit*, “Komm mal her* usw.).
Wir empfehlen den Gebrauch einer Hundepfeife. Nicht etwa, weil der Hund darauf ‘besser’ hört, was viele Leute irrtümlicherweise annehmen, sondern weil die Pfeife dem verbalen Kommando gegenüber einen entscheidenen Vorteil besitzt: sie klingt immer gleich, egal wie aufgeregt, gestresst oder verärgert der Hundeführer ist. Die Tonlage macht nämlich durchaus einen Unterschied, ob dein Hund gerne zurück kommt oder nicht. Als Hundepfeifen eignen sich Plastikpfeifen mit einer festgelegten Frequenz, die man sich am Besten irgendwo vermerkt, für den Fall, dass die Pfeife einmal verloren geht. So kann man gleich klingende Hundepfeifen jederzeit nachkaufen. Als Pfiff-Kommando kann man einen kurzen Doppelpfiff (tüt-tüt) oder auch einen langen Doppelpfiff verwenden. Wichtig ist auch hier, dass der Pfiff immer gleich klingt und nicht bei einem Mal kurz und beim nächsten Mal lang ausgeführt wird. Am Besten übt man es vor der ersten Anwendung am Hund zunächst allein außer Hörweite des Hundes.

Weitere Trainingshilfen

Für den Beginn des Trainings benötigst du außerdem die Futterschüssel deines Hundes sowie Leckerchen. Ist dein Hund ein mäkeliger Fresser und lässt sich dafür umso mehr von Spielzeug begeistern, ist dies das Mittel für die positive Bestätigung eines richtig ausgeführten Kommandos. Einige Hunde bevorzugen auch die rein verbale Bestärkung oder mögen lieber gestreichelt werden. Richtig loben und bestärken will gelernt sein. Auch hierfür haben wir bereits Tipps und Ratschläge in dem Artikel Positive Bestärkung zusammen getragen.

Trainingsanleitung für das Komm-Kommando (Teil 1)

Trainingsschritt 1: Verknüpfung des Kommandos mit einer positiven Erfahrung (Konsequenz)

Am Besten beginnt man damit, dem Hund zur Fressenszeit das Wort- oder Pfiffkommando beizubringen. Die Fütterungssituation nutzen wir deshalb als Hilfe, weil der Hund seine Futterschüssel i.d.R. bereits kennt und sich somit automatisch in die unmittelbare Nähe des Hundeführers begibt.  Man verknüpft die Futtervergabe mit dem jeweiligen Kommando, d.h. bevor die Schüssel auf den Boden gestellt wird, wird das Kommando gegeben und anschließend darf der Hund sein Fressen nehmen. Nun mag mancher einlenken, dass der Hund ohne zu warten, sein Futter fressen darf. Dies ist im ersten Schritt erst einmal egal und wird später separat geübt. Zunächst geht es ausschließlich darum, dem Hund eine überaus positive Verknüpfung für das Kommando ‘Hier’, ‘Komm’ oder den Pfiff beizubringen. Die meisten Hunde verknüpfen bereits nach drei, vier Mahlzeiten, dass dem Kommando das Fressen folgt.
Ob der Hund das Signal verstanden hat, probiert man nach ein paar Übungstagen wie folgt: man bereitet das Futter unbemerkt zu und überrascht den Hund mit dem Kommpfiff oder dem verbalen Kommando. Kommt dein Hund mit fliegenden Ohren angesaust, hat er das Kommando bereits verstanden und du kannst zum nächsten Trainingsschritt übergehen.

Trainingsschritt 2: Kommen in bekannter (reizarmer) Umgebung ohne Ablenkung

Wenn dein Hund das Komm-Kommando verstanden hat, dann wird das Abrufen mehrmals am Tag außerhalb der Fütterungszeiten im Haus und im eigenen Garten geübt. Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass man das Kommando wirklich nur dann gibt, wenn man sich 100%ig sicher ist, dass der Hund auch in der Situation kommt. Daher empfiehlt es sich, Situationen abzuwarten, in denen der Hund sich sowieso gerade auf dem Weg zu einem befindet, oder bereits Blickkontakt zu dir aufgenommen hat und nicht allzu weit von einem entfernt ist. Erleichtern kann man dem Hund das Herankommen zusätzlich durch eine positive Körpersprache (gerade bei Welpen), indem man sich auf den Boden hockt, die Arme ausbreitet und das Körpergewicht leicht nach hinten verlagert. Ist der Hund bei dir, lobst du ihn mit hoher Stimme und er bekommt ein Leckerchen oder ein tolles Spiel mit dir. Anschließend gibst du ihm ein Freikommando wie bsp. ‘Lauf’ und der Hund darf wieder seine eigenen Wege gehen. Wichtig ist, dass du bestimmst, wann die Übung beendet ist und nicht dein Hund.

Spielerisch kann man das Kommtraining natürlich auch gestalten. Hierfür braucht man einen Helfer, der den Hund festhält. Dafür bitte aber nicht den Hund am Nackenfell, sondern ihn vorne an der Brust halten. Gut ist es, wenn der Hund sich dabei ruhig verhält. Der Hundeführer entfernt sich dann ein paar Meter, hockt sich auf den Boden. Verhält sich der Hund ruhig (d.h. er will sich nicht aus dem Festhalten heraus winden), dann ruft/pfeift man den Hund zu sich heran und vergibt als Belohnung ein Leckerchen. Anschliessend ruft der Helfer den Hund zu sich. Klappt das, dann kann man die Entfernung zwischen den beiden Personen vergrößern. Achte darauf, den Hund im Training nicht zu überfordern. Am Anfang reichen kleine Trainingseinheiten von 5 Minuten, teilweise auch kürzer. Lieber öfter am Tag kurze Einheiten, als einmal am Tag 20 Minuten.

Wie verhält man sich, wenn der Hund auf das Kommando nicht kommt? In dieser Trainingsphase kommen Hunde nicht auf das Kommando, wenn sie abgelenkt sind oder zu weit entfernt vom Hundeführer sind. Auf keinen Fall pfeift oder ruft man dann noch einmal, denn dann lernt der Hund, dass er auf das erste  Kommando nicht zu kommen braucht. Besser ist es, wenn man nach einem erfolglosen Abrufen zum Hund geht und ihn kommentarlos abholt. Dies gilt natürlich in erster Linie für Welpen. Bei Hunden, die sich im Schleppleinentraining befinden, dient hier nun die lange Leine zur Absicherung, um den Hund abholen und anleinen zu können, ohne dass er sich entzieht.

Hast du noch Fragen zum Teil 1? Dann schreibe uns einen Kommentar. Wir antworten gerne! Du hast weitere Ideen, wie man diese Trainingspahse interessant gestalten kann? Wir sind gespannt auf deine Anregungen und freuen uns auf den Austausch hier im Blog! In der Trainingsanleitung Teil 2 widmen wir uns nächste Woche dem Kommen unter Ablenkung.

7 Antworten
  1. willy schmidlin
    willy schmidlin says:

    Hallo meine Frage

    Mein Zwergpudelwelpe 11 Wochen

    reagiert meist sehr gut auf das abrufkommando in der wohnung und draussen. Jedoch wenn wir forgehen und ich ihn in der tiefgarage nicht anleine reagiert er auf mein komm kommando nicht. was mache ich falsch ?

    Lg Willy Schmidlin

  2. Anette
    Anette says:

    Hallo Herr Schmidlin,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Einzug Ihres Welpen!
    Ferndiagnosen sind in der Hundeerziehung meist nicht sehr erfolgreich, da man die Situation besser beurteilen kann, wenn man den Hund selber beobachten kann.

    Daher wäre ein Hundetrainer, der Ihren Hund kennt, vermutlich der kompetentere Ansprechpartner, der Ihnen auch besser weiterhelfen kann.

    In der Tiefgarage kann es sein, dass Ihr Hund sich durch die veränderte Akustik nicht wie gewohnt orientieren kann, bzw. durch die veränderten Lichtverhältnisse unsicher ist. Junge Hunde reagieren auf solche Umweltbedingungen noch stärker als erwachsene Hunde, die ja schon viel mehr Erfahrungen sammeln konnten.

    Daher würde ich, neben dem Gespräch mit Ihrem Hundetrainer, dazu raten, Ihren Welpen vorerst nur angeleint in der Tiefgarage zu führen, bzw. ihn auf den Arm zu nehmen. Dann kann er das *Komm Kommando* auch nicht mehr überhören.

    Viele Grüße
    Anette

  3. Nina Borchert
    Nina Borchert says:

    Hallo, hier meine Frage zum Kommando “Hier”. Wenn ich einem Welpen das Kommando verbal beibringen möchte, aber auch mit einer Pfeiffe arbeiten möchte, wie gestalte ich dann das “Anfangstraining beim Füttern”? Kommando und Pfeiffe abwechselnd benutzten oder erst das verbale Kommando und im Anschluß direkt unmittelbar danach der Pfiff?

    Viele Grüße
    Nina Borchert

  4. Nele
    Nele says:

    Hallo Nina,
    das kommt jetzt darauf an, welches der beiden Kommandos du zuerst ‘belegt’ hast. Wenn der Hund zuerst Pfiff=Futter gelernt hast, wäre die Abfolge Pfiff – verbales Kommando – Futter. Ansonsten eben anders herum. Man sollte dann aber zügig die beiden Kommandos voneinander trennen, ansonsten ist das Kommando dann wirklich als eines zu verstehen.

    Viel Spaß beim Training!

  5. Michael
    Michael says:

    Hallo.
    Ich habe folgendes Problem.
    In der Wohnung und an der Leine funktioniert das kommando “hier” tadellos.
    Auch mit der Longe funktioniert das Kommando sofort.
    Sobald ich sie aber ableine und sie frei laufen kann hört sie gar nicht mehr auf mich.
    Wenn ich sie dann Ignorieren läuft sie mir zwar nach, ist aber wieder weg sobald sie sich vergewissert hat, dass ich noch da bin.
    Das geht oft 45 Minuten so bis sie dann von selber kommt und ich sie wieder anleinen kann.
    Danach an der Leine ist sie wieder total gehorsam und folgt aufs Wort.

    Ich hoffe Sie können mir helfen.

  6. Admin
    Admin says:

    Hallo Michael, du hast einen schlauen Hund! Er weiss, wann die Leine ab oder dran ist. Wichtig ist, dass wenn der Rückruf an der lanagen Leine draußen in sämtlichen – vor allem auch reizstarken! Situatiuonen – funktioniert, dann mußt du die lange Leine stückweise kürzen. Jede Woche um einen Meter. Klappt der Rückruf weiterhin, hast du nach ca zwei Monaten nur noch ein kurzes Reststück der Leine. Erst dann würde ich die Leine endgültig abmachen. Es gibt einfach Hunde, die bereits das Klickgeräusch beim Ableinen als Freizeichen werten.

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