Sucharbeit

Fördert man durch Fährtenarbeit den Jagdtrieb?

In einem Kundengespräch fragte mich neulich eine Kundin nach Möglichkeiten, ihren sechs Monate alten Beagle auszulasten und ihn davon abzuhalten, Wildspuren im Wald nach zu gehen. Ich riet ihr dazu, neben der Erziehung des Grundgehorsams, ihn artgerecht auszulasten. Daraufhin erzählte mir die Kundin, dass ihre Hündin sehr gerne Suchenspiele macht. Für einen Beagle nichts ungewöhnliches, im Gegenteil, denn Beagle sind bekanntermaßen Jagdhunde, um genau zu sein sind sie Meutehunde aus der Familie der Bracken und Laufhunde. Beagle werden auf der Jagd dazu eingesetzt, Wild (speziell Hasen) aufzuspüren und diese mit anhaltendem Spurlaut zu verfolgen, bis das Wild erlegt oder gestellt werden kann. Die Rasse ist also speziell dafür gezüchtet und auf Eigenschaften selektiert worden, die ein hohes Maß an Selbständigkeit und auch Durchsetzungsvermögen sowie eine hervorragende Nasenleistung erfordern.

Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, bieten sich für einen Beagle demensprechend Beschäftigungsmöglichkeiten an, die viel Nasenleistung abverlangen und ich riet der Beaglebesitzerin zu verschiedenen Fährten- und Suchspielen. Generell zeigte sie sich von der Idee begeistert, äußerte allerdings starke Bedenken, ob sie mit den Spielen nicht den bereits vorhandenen Jagdtrieb ihrer Hündin fördern würde. Natürlich ist es so, dass eine artgerechte Beschäftigung, die natürlichen Anlagen eines Hundes fördert und schult. Allerdings überwiegen die Vorteile einer  artgerechte Auslastung des Hundes. Die artgerechte Beschäftigung sorgt dafür, dass der natürliche Trieb des Hundes in geordnete und kontrollierte Bahnen gelenkt wird und das Bedürfnis, dem Trieb andernweitig nachgehen zu wollen/müssen verringert wird. Zudem erleichtert die artgerechte Auslastung des Hundes dem Hundebesitzer, Ansätze des Jagdverhaltens schneller zu erkennen und entsprechend früher zu reagieren. Der Hund lernt dabei, dass die gemeinsame Beschäftigung mit dem Hundeführer eine große Motivation darstellt. Eine bessere Bindung ist oft die Folge dieser Zusammenarbeit und wenn die Beschäftigung korrekt ausgeführt wird, trainiert es zudem den allgemeinen Grundgehorsam des Hundes. Ein unausgelasteter Hund wird früher oder später seine natürlichen Anlagen zeigen und diesen nachgehen wollen, ein artgerecht beschäftigter Hund tut dies in kontrollierter Form bereits und braucht kein Ventil.

Wie kann nun die Beschäftigung für den Beagle konkret aussehen? Wie bereits beschrieben, haben Beagle eine hervorragende Nase. Daher bietet es sich an, mit dem Hund verstärkt Futtersuchspiele und Fährtenarbeit zu betreiben. Eine hervorragende Lektüre zu diesem Thema ist das Buch “Die Schweißhundearbeit in der Jagdhundprüfung – Theorie und Praxis” von Uwe Heiss. Das Buch ist zwar eigentlich primär für die Ausbildung von Jagdhunden speziell für Jagdprüfungen geschrieben, es bietet allerdings einen hervorragenden Einblick in die Lerntheorie der Fährtenarbeit und zeigt Schritt für Schritt auf, wie der Hund auf Fährten eingearbeitet werden kann. Sinnvoll ist es sicherlich, wenn man vor Beginn der Fährtenausbildung ein Praxisseminar besucht, in dem einem vermittelt wird, wie man mit der Arbeit beginnt, worauf man achten sollte und wie man Schritt für Schritt die Fährtenarbeit aufbaut. Hundeschulen und Hundetrainer bieten in der Regel verschiedene Kurse dieser Art an. Konzentriert lernt hier der Hund, einer Fährte nachzugehen:


Wem die Fährtenarbeit nicht zusagt, für den eignen sich stattdessen vielleicht kleinräumige Suchspiele. Hat man vielleicht darüber hinaus einen Hund, der nicht nur gerne sucht, sondern auch gerne zuträgt (apportiert), kann man die Suche und das Bringen sogar miteinander kombinieren. Die Möglichkeiten der Suchspiele sind vielfältig und der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Für Welpen und junge Hunde eignen sich zu Beginn Futtersuchen in niedrigen Gras. Hierbei verstreut man zunächst sichtig für den Hund Leckerchen auf ca. 5x5m Fläche und gibt ihm anschließend das Kommando ‘Such’ und lobt den Hund, wenn dieser mit seiner Nase die Fläche absucht. Das Futter ist dann die ultimative Belohnung. Die Befürchtung, dass der Hund aufgrund dieses Spieles zukünftig alles Fressbare draußen aufnimmt, möchte ich an dieser Stelle entkräften! Der Hund lernt bei diesem Spiel, dass er auf Kommando etwas tun darf. Möchte er im Freilauf etwas aufnehmen, was er nicht soll, liegt es am Hundebesitzer, dies entsprechend zu unterbinden. Der Hund wird schnell lernen, dass die Suche mit Befehl erlaubt ist, ohne aber nicht. Genausowenig, wie der Hund durch Fährtenarbeit erst Interesse am Jagen entwickelt (dies ist bereits genetisch im Hund verankert!), entwickelt sich auch hier kein Fresstrieb nur, weil wir dem Hund beibringen, dass er mit unserer Erlaubnis Fressen darf. Wir machen uns mit den Spielen lediglich die natürlichen Anlagen des Hundes zunutze und lenken sie in die richtigen Bahnen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Hundebesitzern viel Spaß bei der artgerechten Auslastung und freue mich auf Erfahrungsberichte und Fragen!

 

 

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