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Die ersten Tage mit meinem Welpen

Die Tage der Vorfreude sind gezählt. Heute zieht er ein. Mein langersehnter, kleiner Welpe. Viele Bücher wurden im Vorfeld gelesen, Ratschläge von erfahrenen Hundebesitzern eingeholt und doch ist es ähnlich wie beim ersten Kind: die Erfahrungen muss man selber machen.

Dennoch gibt es einige Grundregeln und Wissenswertes, was die Anfangszeit für beide Seite erleichtert.

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Ein kleiner Welpe braucht vor allem zunächst eines: RUHE! Man kann dies gar nicht oft genug betonen, denn eigentlich möchte man in diesen ersten wertvollen Wochen der Sozialisierung und Prägung natürlich auch, dass der kleine Vierbeiner, sich an die vielen neuen Reize und seine Umgebung gewöhnt. Dennoch liegt in der Ruhe die Kraft und der junge Hund braucht für eine gesunde Entwicklung Ruhe und Gelassenheit und vor allem auch noch viel Schlaf. Bekommt er diesen nicht, ist es ähnlich wie bei übermüdeten Kindern: sie drehen auf, werden übermütig und überreizt und sie können auch nicht lernen.

Hundekissen-Air-Welpe
In den ersten Wochen sollte das oberste Ziel im Haustraining daher sein, dem Hund seinen Schlafplatz zu zeigen und ihn ggf. zur Ruhe zu ‘zwingen’ bsp. durch einen Zimmerkennels (empfiehlt sich besonders, wenn neugierige, kleine Kinder) im Haushalt leben, die natürlich ebenfalls ein großes Interesse an dem neuen Familienmitglied haben.

Stubenreinheit

Neben der Ruhe ist das nächste Ziel der Welpenerziehung die Stubenreinheit. Eigentlich ganz einfach: der Welpe muss immer

1. Nach dem Schlafen
2. Nach dem Fressen
3. Nach dem Spielen

Und wenn angegebene drei Punkte nicht zutreffen: im Schnitt alle zwei Stunden. Nachts schlafen die meisten Welpen i.d.R. gut durch, schaffen natürlich aber noch keine 10 bis 12 Stunden wie ein erwachsener Hund. Wer aber gegen 22 Uhr nochmals vor die Tür geht und dann dafür sorgt, dass der Hund auf seinem Schlafplatz die Nacht verbringt, hat vermutlich bis 5 oder 6 Uhr erst einmal Ruhe. Wir der Welpe nachts wach und unruhig, nimmt man ihn schnell auf den Arm und trägt ihn direkt nach draußen.

Wichtig ist, dass der Welpe ausgiebig gelobt wird, wenn er das Geschäft an der gewünschten Stelle verrichtet. Ist etwas daneben gegangen, darf man mit sich selber schimpfen, denn dann war man selber einfach nicht aufmerksam genug. Vorausschauende Hundebesitzer bringen dem kleinen Hund jetzt schon bei, dass der Hund sich auf Kommando löst. Hierzu gibt man einfach jedes Mal wenn der Hund sich löst, ein entsprechendes Kommando und lobt ausgiebig. Ein Kommando zum Lösen kann zukünftig sehr praktisch sein, wenn man darauf angewiesen ist, dass der Hund schnell sein Geschäft verrichtet und es läßt sich besonders schnell und leicht in der Welpenzeit erlernen.

Die ersten ‘Trainingseinheiten’

Auch hier gilt: übertreiben sollte man es nicht, aber unerwünschtes Verhalten wie bsp. annagen von Möbeln, Schuhen, hochspringen etc. sollte bereits ab dem ersten Tag unterbunden werden und das KONSEQUENT! Entspannung bringt es, wenn man  potentielle Fehlverhaltensquellen selber ausschließt: Schuhe können weggeräumt werden, zur Begrüßung des Welpen hockt man sich hin und schiebt ihn behutsam von sich weg, sollte er hochspringen. So verhindert man, auf ewig, das Wort ‘Nein’ zu verwenden, ohne dass es für den Welpen eine relevante Bewandtnis hat. Die ‘Nein’s auf die man wirklich besteht, müssen dafür auch wirklich ‘Nein’s sein. Unbeaufsichtigt lässt man seinen jungen Hund anfangs besser nicht. In einem welpengesicherten Raum oder einem Zimmerkennel (auch an diesen muss man den Welpen gewöhnen!) ist er sicher aufgehoben, wenn man den Hund nicht beaufsichtigen kann. Auch dies trägt zur Entspannung beider Seiten bei.

Welpenspielgruppe, Sozialisierung und Prägung

Hier scheiden sich die Geister der Hundeerziehung. Die einen schwören darauf, die nächsten halten sie für wenig förderlich, ja sogar negativ. Welchen Weg man beschreitet, bleibt einem selber überlassen. Wichtig ist natürlich, dass der junge Hund auf Umwelteinflüsse und auch andere Hunderassen geprägt wird. Ob hierfür eine Welpengruppe zwingend erforderlich ist oder ob hier nicht auch der ausgewählte Kontakt mit sozial verträglichen (!) älteren Hunden ausreichend ist, hängt sicherlich auch davon ab wie gut man bereits in der Hundewelt vernetzt ist.
In erster Linie sollte der Welpe in den ersten Wochen lernen, dass der Hundebesitzer derjenige ist, der am Wichtigsten für den Hund ist. Die Prägung sollte also hauptsächlich auf den Besitzer erfolgen. Hierzu gehören zum Beispiel gemeinsame Erlebnisspaziergänge durch den Wald oder auch kurze Ausflüge in die Stadt. Aber bitte auch hier aufpassen, dass der Welpe nicht überfordert wird.

Bindung

Wichtig ist auch, dass es in den ersten Monaten EINE Bezugsperson für den jungen Hund gibt. Diese Person bringt dem Hund die ersten Kommandos bei, führt ihn aus, füttert und sozialisiert ihn. Es ist für den jungen Hund schlichtweg leichter, die Kommunikation mit dem einen Hundeführer zu lernen. Er muss die verbalen und nonverbalen Kommandos erlernen und umsetzen und dies macht man ihm leichter, wenn er nicht bei jedem Spaziergang sich auf eine neue Person einlassen muss. Sitzt der Grundgehorsam später, dürfen natürlich auch andere Familienmitglieder den Hund ausführen und mit ihm spielen und arbeiten.

Theorie und Praxis

Viel gelesen, viel verstanden und an der Umsetzung scheitert es? Macht nix! Was in Büchern und Blogartikeln 😉 so einfach klingt, gestaltet sich in der Umsetzung beim ersten Hund doch manchmal als schwierig. Da bellt der Hund stundenlang im Zimmerkennel, statt sich zu entspannen, der immer wieder beschriebene Welpenfolgetrieb bei den Erlebnisspaziergängen sieht so aus, dass der Welpe allem möglichen folgt nur nicht einem selbst und im Feierabend-Kinder-zu-Bett-Bring-Trubel ist mal wieder ein Pipisee auf dem Dielenboden gelandet. Nicht aufgeben: dranbleiben lohnt sich. Aber manchmal braucht es auch einen Profi, der über die Erziehung drüberschaut und Tipps und Ratschläge auch praktisch zeigt. Oft ist es das fehlende Timing zwischen Lob und Tadel oder eine falsche Körperhaltung die zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. Ein guter Trainer kann schnell Abhilfe schaffen. Sehr hilfreich ist es auch, bereits vor dem Einzug des Welpen, Hundeausbildung live vor Ort anzuschauen. Man lernt durch Zuschauen unheimlich viel!

In diesem Sinne wünschen wir allen, die diese aufregende Zeit noch vor sich haben: viel Vorfreude und dann viel Freude mit dem neuen Familienmitglied. Und für alle, die diese – ja auch manchmal anstrengende Zeit – schon hinter sich haben: was waren eure wichtigsten Erkenntnisse und Tipps für die Welpenzeit?

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