Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde!

Es gibt durchaus sehr kontrovers geführte Diskussionen darüber, ob Hunde in der Lage sind, echte Freundschaften einzugehen. Sowohl eine Freundschaft zum Menschen/seinem Besitzer als auch Freundschaften unter Hunden (rudelintern und rudelextern).

Patricia M. McConnell, Autorin des Buches “Das andere Ende der Leine” schreibt in ihrem Blog über ihre eigenen Thesen zu dem Thema) darüber, ob echte Freundschaft zwischen Hunden – insbesondere zwischen rudelexternen Hunden – existieren kann. Evolutionstechnisch betrachtet ist der Wolf ursprünglich soziale Bunde mit dem Menschen eingegangen und man nahm sich für die ‘Zucht’ die kooperativsten Wölfe, also diejenigen die in der Lage waren, sich ‘freundschaftlich’ bzw. enger an den Menschen zu binden.

Meine persönlichen Erfahrungen decken sich in vielen Ansätzen mit den o.a. Meinungen. Mein heutiger Artikel soll aber keine wissenschaftliche Betrachtung der ganzen Frage werden, sondern ganz unwissenschaftlich auf eigener Beobachtung beruhen. Und um es vorweg zu nehmen: ich persönlich habe nach zwölf Jahren Hundeerfahrung den Eindruck, dass meine Hunde neben der Bindung und ‘Freundschaft’ zu mir, Freundschaften mit anderen Hunden haben.

Kontakt mit Artgenossen

Retrievern wird ja gerne nachgesagt, dass sie sich anderen Rassen diskriminierend gegenüber verhalten. Da findet eine Hundebegegnung zwischen einem Retriever und mehreren Hunden verschiedener Rassen statt und just in dem Augenblick in dem ein zweiter Retriever auftaucht, sind sämtliche andere Rassen ‘abgeschrieben’ und die beiden Retriever toben in munterer Eintracht übers Feld. Mehrfach gesehen, mehrfach erlebt. Es war in den letzten zwölf Jahren immer so: andere Rassen hatten in dem Augenblick nichts mehr zu melden. Ob  sich das bei anderen lassen untereinander ähnlich verhält, mag ich nicht zu beurteilen, aber ein klein wenig ‘peinlich’ ist dies ja schon ab und an. Die Hunde scheinen sich automatisch optisch oder auch in der Hundekommunikation so zu verstehen, dass automatisch eine engere Sympathie füreinander entsteht.

Aber auch die Freundschaft unter Hunden der gleichen Rasse ist meiner Erfahrung nach nicht immer gleich intensiv. Während mein Senior sich beispielsweise aus anderen Hunden nicht besonders viel macht und vielmehr nach der Aufmerksamkeit der Zweibeiner giert, hat mein Junior dagegen richtige Hundekumpels (obwohl die Bindung zwischen uns beiden wesentlich enger ist als zwischen dem Senior und mir). Mit diesen Hundekumpels spielt er intensiv. Sie können sich wochen- und monatelang nicht gesehen haben, aber treffen wir uns zufällig im Wald, dann holla die Waldfee!

Ziemlich beste Freunde

Eine ganz besondere Beziehung hat mein Junior mit einer jungen Beaglehündin. Zufällig die Hündin meiner besten Freundin. Neben rein erzieherischen Maßnahmen zu Welpenzeiten (‘Du nervst und wir ignorieren das einfach’), wurde von Beginn an intensiv miteinander gespielt und Sozialverhalten beigebracht. Da verschwand dann auch gerne mal der komplette Kopf des kleinen Beagles im Fang des großen Hundes. Mittlerweile sind die beiden ‘ziemlich beste Freunde’. Das äußert sich in freudigem Beaglegeheul, wenn das Fräulein Beagle von Weitem die zwei Jungs wittert und selbst meinen eigentlich recht annehmbar erzogenen und folgsamen Junior hält es kaum noch im Fuss an meiner Seite, wenn er sie am Horizont erblickt. Freigelassen, rasen Fräulein Kugelblitz und der Schwanensee-Riese dann Seite an Seite über den Feldweg. Man kann einfach nicht anders, als dies als Freundschaft zu betiteln.

Anders aber nicht weniger beeindruckend dagegen die Freundschaft zwischen Junior und der Grande Dame einer anderen Freundin. Die Grande Dame zählt mittlerweile stolze 14 Jahre und ist dafür recht rüstig unterwegs.

Hundefreundin Grand Dame

Trifft sie auf meinen Junior, packt sie sämtliche Künste der Verführung aus. Es ist einfach zu niedlich, denn teilweise ist der Paarungstanz der Grande Dame etwas torkelig. Darauf wird seinerseits aber gerne Rücksicht genommen und vorsichtig auf der Stelle ‘getanzt':

Ziemlich beste Freunde mit der Grand Dame

Andere Freundschaften – vorwiegend mit männlichen Artgenossen – sind eher rennlastig. Hier steht der Sportsgeist und das Kräftemessen im Vordergrund. Wer ist schneller und kann dabei nochmals den anderen ‘rein zufällig’ touchieren? Sind die Kräfte geklärt, dann liegt man aber auch gerne aneinandergekuschelt im engen Kofferraum und trinkt aus dem gleichen Napf. Männerfreundschaft halt.

Und? Hat dein Hund auch ziemlich beste Freunde?

 

 

 

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