Die Erziehung und Ausbildung eines Hundes ist tägliche Arbeit und bedeutet Verantwortung, Konsequenz und aber auch jede Menge Spaß. Unsere Hunde werden von uns ab dem Tag ihres Einzugs im neuen zuhause artgerecht ausgebildet.

Ruhe will gelernt sein

Bin ich gestresst bist auch du gestresst

Hunde mit einer engen Bindung zu ihrem Hundeführer können mitunter sehr sensibel auf Verhaltensänderungen der Bezugsperson reagieren. Besonders wenn der Hund selber sehr sensibel ist, d.h. er eine höhere Bereitschaft zur Reaktion auf Veränderungen zu reagieren. Nicht umsonst gibt es Hunde, die nahezu krankheitstypische Symptome zeigen, wenn die Bezugsperson selber eine schwere Krankheit hat.

Ähnlich verhält es sich mit der Stressresistenz und dem Umgang mit Stress. Es gibt Hunde, die sind stärker anfällig für Stress-Situationen als andere, die ein ‘dickeres Fell’ haben. Fakt ist jedoch, dass jeder Hund auf Stress reagiert. Der eine Typ Hund, indem er sich hochfährt, der andere, indem er sich mehr in sich zurückzieht (was widerum oft fälschlicherweise nicht als eine Reaktion auf Stress eingeschätzt wird).

Der Umgang mit Stress wird in der Hundeerziehung teilweise unterschätzt. Denn Stress kann Training so maßgeblich beeinflussen, dass ein erfolgreiches Lernen nicht möglich ist. Manchmal gibt es dann Aussagen wie “Der Hund hat keine Motivation und will einfach nicht” oder aber “Der Hund hat so einen hohen Trieb, den bekommt man einfach nicht in den Griff”. Ganz so einfach sollten wir es uns aber nicht machen!

Fehlverhalten ist immer nur ein Puzzleteil in der Hundeerziehung. Wichtig ist aber, das Training ganzheitlich zu sehen und dazu zählt neben der Gesundheit des Hundes und einem vernünftig und durchdachten Trainingsaufbau auch die Stressbelastbarkeit des Hundes und vor allem die Stressresistenz des Hundeführers! So manch einer wundert sich, dass es im Training wunderbar funktioniert, geht man jedoch auf die Prüfung sind sowohl Hund als auch Hundeführer neben der Spur. Oder aber der Erzfeind des Hundes kommt um die Ecke und unsere erste Reaktion ist: Leine straff, Herzklopfen und Anflüge leichter Panik. Maßgeblich das Stresslevel des Hundes zu beeinflussen liegt eben auch im Verhalten des Hundeführers.

Ruhe will gelernt sein

Geht dieser bereits mit schweißnassen Händen und klopfenden Herzen zu einer Prüfung, dann ist es kaum verwunderlich, dass der Hund (der den lieben, langen Tag nichts anderes zu tun hat, als uns wie die Leuchtreklame am Times Square zu lesen und zu interpretieren) die eigene Stresshormonproduktion ebenso anwirft. Bekommen wir Schnappatmung, weil wir wissen, dass unser leinenaggressiver Hund massive Probleme hat an einem anderen Hund locker vorbei zu gehen, dann gehen wir eben nicht entspannt am frühlingshaften Sonntag spazieren, sondern sind auf der Hut und innerlich gewappnet für den möglichen ‘Angriff’. Sind wir tiefenentspannt, weil der Hund die letzten Trainingseinheiten alles perfekt gemeistert hat, dann wundern wir uns mitunter darüber, dass dieser ausgerechnet heute lahm und gelangweilt über den Agility-Parcours dümpelt.

Dein Hund spiegelt dich und dein Verhalten. Es ist nur ein Puzzleteil im Training, aber einer, dem es sich lohnt mehr Beachtung zu schenken. Hast auch du Beispiele dafür, dass dein Hund auf deinen Stress reagiert?

Vorankündigung Elchlederleinen Beagle

Stressfaktor Hundebegegnung? Das muss nicht sein!

Wir laufen entlang einer der frequentierten, stadtnahen Wanderwege, beide Hunde sind ohne Leine ca. 20m vor mir unterwegs. Plötzlich hält einer der beiden inne, die Ohren stellen sich auf, er legt sich langsam ins Platz, den Kopf plan auf den Asphalt. Ich weiß sofort, dass sich ihm frontal ein fremder Hund nähert und rufe ihn zu mir, um ihn anzuleinen, auch Hund Nummer 2 muss zu mir kommen und wird angeleint. Noch kann ich das andere Gespann nicht sehen, da eine Kurve vor uns liegt.
Wir laufen weiter und uns kommt ein sehr aufmerksamer, mittelgroßer Hund mit aufgestellten Nackenhaaren und hoch getragener Rute an gestraffter Leine frontal entgegen. Ich nutze die verbleibenden 2m links des Weges und lasse meine Hunde absitzen, drehe sie leicht weg. Beide Hunde beschwichtigen durch Lecken über den Fang, dass sie keinen Konflikt eingehen möchten. Der fremde Hund läuft ohne Knurren, aber merklich angespannt und durch seinen Halter sehr kurz gehalten an uns vorbei. Ich lobe meine Hunde und lasse sie in den Freilauf.

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Diese Art der Hundebegegnung haben wir jeden Tag mehrfach. Meist gehen sie so aus wie beschrieben, manchmal denkt der andere Halter auch mit und signalisiert auch seinem Hund: “Alles ist gut, ich übernehme jetzt die Führung und leite dich an den fremden Hunden vorbei”. Aber natürlich haben auch wir ab und an solche Begegnungen, die stressiger ablaufen. Nicht weil der fremde Hund ein unverträglicher Rüpel ist, sondern einfach weil sein Hundeführer nicht genau darüber aufgeklärt ist, wie man sich bei der Begegnung mit fremden Hunden am Souveränsten verhält. Dass es eben nicht gut ist, wenn man frontal aufeinander zu läuft. Und dass das Verhalten auch je nach Gegenüber anders aussehen kann. Und einige Hundehalter wissen auch gar nicht, wie die Grundregeln der Hundekommunikation aussehen.

Auch ich entscheide je nach Hund, der uns da entgegen kommt aufs Neue: dürfen die Hunde sich nach Absprache ohne Leine begrüßen, leine ich sie lieber an und drehe sie aus der Situation heraus oder laufen wir einfach in einem kleinen Bogen an dem anderen Gespann vorbei? Die Begegnungen sind je nach Situation anders! Meine Hunde aber wissen, dass ICH sie durch die Situation führe. Sie müssen diese Entscheidung nicht treffen – beide haben gelernt, mich zu informieren ‘dass da jemand kommt’, aber sie überlassen mir die Entscheidung wie diese Begegnung ablaufen wird.

Wie läuft es bei euch mit den Hundebegegnungen?

 

Elchlederleine 145cm in Action

Von der Bedeutung des Lobens

Sicherlich kennt ihr dieses Gefühl: man schlendert entspannt durch den Wald, die Hunde flitzen vor einem hin und her. Man kann die Seele baumeln lassen, entspannen und weil die Hunde mittlerweile (nach viel Mühe und Schweiß!) gut erzogen sind, braucht man auch nicht 100% des Spaziergangs auf der Hut vor allem Möglichen sein.

Einfach herrlich!

Und doch beschlich mich vor einigen Wochen das Gefühl, dass ich mich zu sehr darauf verlasse, dass die Hunde ‘funktionieren’. Zugegeben, ist der Hund erst einmal vier Jahre alt, dann liegen die vielen, vielen Trainingseinheiten hinter einem. In der Regel sollte ein erzogener Hund spätestens dann über einen soliden Grundgehorsam verfügen. 100% Quote in allen Lebenslagen gibt es bei Hunden nicht, aber im Großen und Ganzen sollte es passen.

Woher kam also mein Gefühl, dass es irgendwie so vor sich hin dümpelt? Ich beobachtete meine Hunde genauer auf einer unserer morgendlichen Runden durch die Weinberge und stellte fest: Ja, sie kommen, wenn ich sie zu mir pfeife, sie sitzen auch auf Entfernung, wenn ich den Sitz-Pfiff gebe und Fusslaufen machen sie natürlich auch, wenn sie sollen. Aber irgendwie fehlte die Dynamik und Freude bei der Ausführung. Sie machten es, weil ich es ihnen beigebracht hatte, weil ich auf eine Handvoll Kommandos bestehe und sie durchsetze und weil beispielsweise mein Komm-Pfiff klassisch konditioniert ist. Das heißt: sie können gar nicht anders, als postwendend umzudrehen und zu kommen, wenn ich pfeife, genau wie der Speichelreflex beim Pawlow’schen Hund. Natürlich lobe ich beide – immer mal wieder – und verließ mich darauf, dass ihnen das eben reicht…oder auch wie ein deutsches Sprichwort besagt: “Nichts gesagt, ist gelobt genug.”

Irgendwie gefiel mir das nicht, also packte ich heimlich Fleischwurst und Tennisball ein, beides absolute Highlights für meine Hunde und in der Belohnungsskala an Nr. 1 und Nr. 2. Als mittlerweile recht erfahrener Hundeführer ist mir natürlich theoretisch klar, warum das Loben so wichtig für das Erlernen von Kommandos ist. Schnell geht man aber dazu über, ausgeführte Kommandos als selbstverständlich hinzunehmen. Loben ist aber eben nicht nur in der Lernphase oder nach Befolgen des Kommandos in einer brenzligen Situation wichtig. Das zeigten mir meine beiden eindrucksvoll auf einem der letzten Spaziergänge. Da zauberte ich nämlich urplötzlich nach dem Ausführen eines Komm-Pfiffes ohne nennenswerte Ablenkung (!), Fleischwurst als Belohnung hervor. Wenn ich es nicht besser wußte, so würde ich sagen, die beiden freuten sich ‘nen Keks (oder ‘ne Wurst).
Auch bei den nächsten befolgten Befehlen belohnte ich jedes Mal. Mal durch verbales Loben, mal mit einem Wurf des Tennisballs oder mit besonderen Leckeren. Die Hunde waren begeistert! Sie kamen schnell, freudig und – ja – lachend (bilde ich mir ein), der Aktionsradius auf der Wanderung verringerte sich und die Aufmerksamkeit war geschärft.

Hunde brauchen es, für korrekt ausgeführtes Verhalten mehr und intensiv gelobt zu werden! Sie brauchen es, denn wir Menschen sind dazu geneigt, ihren Gehorsam viel zu oft als Selbstverständlich hinzunehmen. Wir brauchen aber nur auf uns selbst schauen und stellen schnell fest: das fleissige Bienchen, dessen Leistung, Engagement und Einsatz von Kollegen/Familie/Freunden nicht ab und zu lobend erwähnt und bestärkt wird, verliert an Freude und Motivation bei der Arbeit.
So wie wir positives Feedback aus unserer Umgebung brauchen, brauchen es unsere Hunde auch! Also: packt die Wurst, Bällchen, Futterbeutel, Frisbee, oder was auch immer für eure Hunde die optimale Bestärkung ist, auf den nächsten Spaziergang wieder ein und lobt das Selbstverständliche!

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Die ersten Tage mit meinem Welpen

Die Tage der Vorfreude sind gezählt. Heute zieht er ein. Mein langersehnter, kleiner Welpe. Viele Bücher wurden im Vorfeld gelesen, Ratschläge von erfahrenen Hundebesitzern eingeholt und doch ist es ähnlich wie beim ersten Kind: die Erfahrungen muss man selber machen.

Dennoch gibt es einige Grundregeln und Wissenswertes, was die Anfangszeit für beide Seite erleichtert.

Ruhe, Ruhe, Ruhe

Ein kleiner Welpe braucht vor allem zunächst eines: RUHE! Man kann dies gar nicht oft genug betonen, denn eigentlich möchte man in diesen ersten wertvollen Wochen der Sozialisierung und Prägung natürlich auch, dass der kleine Vierbeiner, sich an die vielen neuen Reize und seine Umgebung gewöhnt. Dennoch liegt in der Ruhe die Kraft und der junge Hund braucht für eine gesunde Entwicklung Ruhe und Gelassenheit und vor allem auch noch viel Schlaf. Bekommt er diesen nicht, ist es ähnlich wie bei übermüdeten Kindern: sie drehen auf, werden übermütig und überreizt und sie können auch nicht lernen.

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In den ersten Wochen sollte das oberste Ziel im Haustraining daher sein, dem Hund seinen Schlafplatz zu zeigen und ihn ggf. zur Ruhe zu ‘zwingen’ bsp. durch einen Zimmerkennels (empfiehlt sich besonders, wenn neugierige, kleine Kinder) im Haushalt leben, die natürlich ebenfalls ein großes Interesse an dem neuen Familienmitglied haben.

Stubenreinheit

Neben der Ruhe ist das nächste Ziel der Welpenerziehung die Stubenreinheit. Eigentlich ganz einfach: der Welpe muss immer

1. Nach dem Schlafen
2. Nach dem Fressen
3. Nach dem Spielen

Und wenn angegebene drei Punkte nicht zutreffen: im Schnitt alle zwei Stunden. Nachts schlafen die meisten Welpen i.d.R. gut durch, schaffen natürlich aber noch keine 10 bis 12 Stunden wie ein erwachsener Hund. Wer aber gegen 22 Uhr nochmals vor die Tür geht und dann dafür sorgt, dass der Hund auf seinem Schlafplatz die Nacht verbringt, hat vermutlich bis 5 oder 6 Uhr erst einmal Ruhe. Wir der Welpe nachts wach und unruhig, nimmt man ihn schnell auf den Arm und trägt ihn direkt nach draußen.

Wichtig ist, dass der Welpe ausgiebig gelobt wird, wenn er das Geschäft an der gewünschten Stelle verrichtet. Ist etwas daneben gegangen, darf man mit sich selber schimpfen, denn dann war man selber einfach nicht aufmerksam genug. Vorausschauende Hundebesitzer bringen dem kleinen Hund jetzt schon bei, dass der Hund sich auf Kommando löst. Hierzu gibt man einfach jedes Mal wenn der Hund sich löst, ein entsprechendes Kommando und lobt ausgiebig. Ein Kommando zum Lösen kann zukünftig sehr praktisch sein, wenn man darauf angewiesen ist, dass der Hund schnell sein Geschäft verrichtet und es läßt sich besonders schnell und leicht in der Welpenzeit erlernen.

Die ersten ‘Trainingseinheiten’

Auch hier gilt: übertreiben sollte man es nicht, aber unerwünschtes Verhalten wie bsp. annagen von Möbeln, Schuhen, hochspringen etc. sollte bereits ab dem ersten Tag unterbunden werden und das KONSEQUENT! Entspannung bringt es, wenn man  potentielle Fehlverhaltensquellen selber ausschließt: Schuhe können weggeräumt werden, zur Begrüßung des Welpen hockt man sich hin und schiebt ihn behutsam von sich weg, sollte er hochspringen. So verhindert man, auf ewig, das Wort ‘Nein’ zu verwenden, ohne dass es für den Welpen eine relevante Bewandtnis hat. Die ‘Nein’s auf die man wirklich besteht, müssen dafür auch wirklich ‘Nein’s sein. Unbeaufsichtigt lässt man seinen jungen Hund anfangs besser nicht. In einem welpengesicherten Raum oder einem Zimmerkennel (auch an diesen muss man den Welpen gewöhnen!) ist er sicher aufgehoben, wenn man den Hund nicht beaufsichtigen kann. Auch dies trägt zur Entspannung beider Seiten bei.

Welpenspielgruppe, Sozialisierung und Prägung

Hier scheiden sich die Geister der Hundeerziehung. Die einen schwören darauf, die nächsten halten sie für wenig förderlich, ja sogar negativ. Welchen Weg man beschreitet, bleibt einem selber überlassen. Wichtig ist natürlich, dass der junge Hund auf Umwelteinflüsse und auch andere Hunderassen geprägt wird. Ob hierfür eine Welpengruppe zwingend erforderlich ist oder ob hier nicht auch der ausgewählte Kontakt mit sozial verträglichen (!) älteren Hunden ausreichend ist, hängt sicherlich auch davon ab wie gut man bereits in der Hundewelt vernetzt ist.
In erster Linie sollte der Welpe in den ersten Wochen lernen, dass der Hundebesitzer derjenige ist, der am Wichtigsten für den Hund ist. Die Prägung sollte also hauptsächlich auf den Besitzer erfolgen. Hierzu gehören zum Beispiel gemeinsame Erlebnisspaziergänge durch den Wald oder auch kurze Ausflüge in die Stadt. Aber bitte auch hier aufpassen, dass der Welpe nicht überfordert wird.

Bindung

Wichtig ist auch, dass es in den ersten Monaten EINE Bezugsperson für den jungen Hund gibt. Diese Person bringt dem Hund die ersten Kommandos bei, führt ihn aus, füttert und sozialisiert ihn. Es ist für den jungen Hund schlichtweg leichter, die Kommunikation mit dem einen Hundeführer zu lernen. Er muss die verbalen und nonverbalen Kommandos erlernen und umsetzen und dies macht man ihm leichter, wenn er nicht bei jedem Spaziergang sich auf eine neue Person einlassen muss. Sitzt der Grundgehorsam später, dürfen natürlich auch andere Familienmitglieder den Hund ausführen und mit ihm spielen und arbeiten.

Theorie und Praxis

Viel gelesen, viel verstanden und an der Umsetzung scheitert es? Macht nix! Was in Büchern und Blogartikeln 😉 so einfach klingt, gestaltet sich in der Umsetzung beim ersten Hund doch manchmal als schwierig. Da bellt der Hund stundenlang im Zimmerkennel, statt sich zu entspannen, der immer wieder beschriebene Welpenfolgetrieb bei den Erlebnisspaziergängen sieht so aus, dass der Welpe allem möglichen folgt nur nicht einem selbst und im Feierabend-Kinder-zu-Bett-Bring-Trubel ist mal wieder ein Pipisee auf dem Dielenboden gelandet. Nicht aufgeben: dranbleiben lohnt sich. Aber manchmal braucht es auch einen Profi, der über die Erziehung drüberschaut und Tipps und Ratschläge auch praktisch zeigt. Oft ist es das fehlende Timing zwischen Lob und Tadel oder eine falsche Körperhaltung die zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. Ein guter Trainer kann schnell Abhilfe schaffen. Sehr hilfreich ist es auch, bereits vor dem Einzug des Welpen, Hundeausbildung live vor Ort anzuschauen. Man lernt durch Zuschauen unheimlich viel!

In diesem Sinne wünschen wir allen, die diese aufregende Zeit noch vor sich haben: viel Vorfreude und dann viel Freude mit dem neuen Familienmitglied. Und für alle, die diese – ja auch manchmal anstrengende Zeit – schon hinter sich haben: was waren eure wichtigsten Erkenntnisse und Tipps für die Welpenzeit?

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Hundetraining: Auf deinen Platz

Vor kurzem haben wir darüber geschrieben, warum ein Hundebett oder Hundekissen für deinen Hund so wichtig ist. Nun wollen wir Schritt für Schritt erklären, wie du deinem Hund beibringen kannst, in sein Hundebett oder auf sein Hundekissen zu gehen und er lernt, sich dort zu entspannen.

Da es darum geht, eine möglichst niedrige Erwartungshaltung aufzubauen, da der Hund lernen soll, sich zu entspannen, übt man anfangs am Besten mit dem Welpen/Hund, nachdem er sich draußen ausgetobt hat. Wichtig ist auch, dass (zumindest zu Beginn) der Schlafplatz immer an der gleichen Stelle stehen sollte, denn der Hund lernt Kommandos zunächst ortsbezogen, bevor ein Kommando generalisiert werden kann.

Schritt 1
Mit deinem müden Hund gehst du zu seinem Hundebett oder Hundekissen. Idealerweise geht er von selber in sein Hundebett, alternativ kannst du mit Leckeren ein wenig nachhelfen. Achte dann aber darauf, dass dein Hund sich vor lauter Begeisterung nicht wieder hochfährt. Nun setzt du dich neben das Bett und wartest, bis sich dein Hund von selber hinlegt und entspannt. Probiert er, das Bett oder das Kissen zu verlassen, hinderst du ihn ruhig und bestimmt daran. Legt er sich dann wieder hin, darfst du ihn auch mit ruhiger (!!!) Stimme loben und streicheln. Vermeide jede Form von Hektik, lauten ‘Nein’ Rufen oder anderen verbalen Strafen, denn es geht darum, dass der Hund den Platz nicht mit Strafe verbindet. Stellst du bsp. bei einem sehr jungen Hund fest, dass er doch aufdreht, beende die Übung und fange zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal von vorne an.

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Schritt 2
Dein Welpe/Hund hat verstanden, dass er sich entspannen darf und kann und sein Hundebett sein Rückzugsort ist. Liegt er entspannt in seinem Bett, kannst du dich selber vom Hundebett entfernen. Es gibt zwei Möglichkeiten: erstens, dein Hund schläft ein und zweitens, er bemerkt, dass du dich entfernst und beobachtet dich. Je nach Ausbildungsstand und Alter des Hundes wartest du ein Weilchen ab und gibst dann ein Auflösungskommando, welches dem Hund erlaubt, zu dir zu kommen bzw. den Platz zu verlassen.

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Klappt dies problemlos und ruht der Hund weiter oder wartet bis er sein Auflösungskommando bekommen hat, so hast du bereits ein gutes Stück in der Ruheerziehung geschafft und darfst zu Schritt 3 weitergehen.

Schritt 3
Nun ist es an der Zeit, ein Kommando einzuführen. Ich persönlich schicke meine Hunde mit dem Signal ‘In die Kiste’ in ihre Hundebetten, da alle Kommandos in Verbindung mit ‘Platz’ im Konflikt mit dem Platz-Kommando standen.
Mit dem Kommando ‘In die Kiste’ begleitest du deinen Hund zum Schlafplatz und verfährst dann im Weiteren so wie in Schritt 1 und Schritt 2.

Wie jedes neue Kommando, muss auch dieses immer wieder – am besten mehrmals am Tag – geübt werden. Außerdem sollte man gerade bei Welpen vermeiden, den Hund unbeaufsichtigt zu lassen, wenn er auf seinem Hundekissen oder in seinem Hundebett liegt. Schneller als so mancher denkt, werden Welpen auch wieder wach und können u.U. sehr kreativ in Sachen Zimmerumgestaltung oder Schlafplatzrenovierung werden. Könnt ihr euren Welpen nicht beaufsichtigen, solltet ihr in den ersten Monaten einen wirklich sicheren Platz für den Hund wählen bsp. einen Zimmerkennel, Autotransportbox oder Laufstall. Auch dieser Platz wird ausschließlich positiv belegt und gewährleistet für beide Seite eine sichere Zeit, bis der Jungspund aus dem Gröbsten raus ist.

Sucharbeit

Fördert man durch Fährtenarbeit den Jagdtrieb?

In einem Kundengespräch fragte mich neulich eine Kundin nach Möglichkeiten, ihren sechs Monate alten Beagle auszulasten und ihn davon abzuhalten, Wildspuren im Wald nach zu gehen. Ich riet ihr dazu, neben der Erziehung des Grundgehorsams, ihn artgerecht auszulasten. Daraufhin erzählte mir die Kundin, dass ihre Hündin sehr gerne Suchenspiele macht. Für einen Beagle nichts ungewöhnliches, im Gegenteil, denn Beagle sind bekanntermaßen Jagdhunde, um genau zu sein sind sie Meutehunde aus der Familie der Bracken und Laufhunde. Beagle werden auf der Jagd dazu eingesetzt, Wild (speziell Hasen) aufzuspüren und diese mit anhaltendem Spurlaut zu verfolgen, bis das Wild erlegt oder gestellt werden kann. Die Rasse ist also speziell dafür gezüchtet und auf Eigenschaften selektiert worden, die ein hohes Maß an Selbständigkeit und auch Durchsetzungsvermögen sowie eine hervorragende Nasenleistung erfordern.

Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, bieten sich für einen Beagle demensprechend Beschäftigungsmöglichkeiten an, die viel Nasenleistung abverlangen und ich riet der Beaglebesitzerin zu verschiedenen Fährten- und Suchspielen. Generell zeigte sie sich von der Idee begeistert, äußerte allerdings starke Bedenken, ob sie mit den Spielen nicht den bereits vorhandenen Jagdtrieb ihrer Hündin fördern würde. Natürlich ist es so, dass eine artgerechte Beschäftigung, die natürlichen Anlagen eines Hundes fördert und schult. Allerdings überwiegen die Vorteile einer  artgerechte Auslastung des Hundes. Die artgerechte Beschäftigung sorgt dafür, dass der natürliche Trieb des Hundes in geordnete und kontrollierte Bahnen gelenkt wird und das Bedürfnis, dem Trieb andernweitig nachgehen zu wollen/müssen verringert wird. Zudem erleichtert die artgerechte Auslastung des Hundes dem Hundebesitzer, Ansätze des Jagdverhaltens schneller zu erkennen und entsprechend früher zu reagieren. Der Hund lernt dabei, dass die gemeinsame Beschäftigung mit dem Hundeführer eine große Motivation darstellt. Eine bessere Bindung ist oft die Folge dieser Zusammenarbeit und wenn die Beschäftigung korrekt ausgeführt wird, trainiert es zudem den allgemeinen Grundgehorsam des Hundes. Ein unausgelasteter Hund wird früher oder später seine natürlichen Anlagen zeigen und diesen nachgehen wollen, ein artgerecht beschäftigter Hund tut dies in kontrollierter Form bereits und braucht kein Ventil.

Wie kann nun die Beschäftigung für den Beagle konkret aussehen? Wie bereits beschrieben, haben Beagle eine hervorragende Nase. Daher bietet es sich an, mit dem Hund verstärkt Futtersuchspiele und Fährtenarbeit zu betreiben. Eine hervorragende Lektüre zu diesem Thema ist das Buch “Die Schweißhundearbeit in der Jagdhundprüfung – Theorie und Praxis” von Uwe Heiss. Das Buch ist zwar eigentlich primär für die Ausbildung von Jagdhunden speziell für Jagdprüfungen geschrieben, es bietet allerdings einen hervorragenden Einblick in die Lerntheorie der Fährtenarbeit und zeigt Schritt für Schritt auf, wie der Hund auf Fährten eingearbeitet werden kann. Sinnvoll ist es sicherlich, wenn man vor Beginn der Fährtenausbildung ein Praxisseminar besucht, in dem einem vermittelt wird, wie man mit der Arbeit beginnt, worauf man achten sollte und wie man Schritt für Schritt die Fährtenarbeit aufbaut. Hundeschulen und Hundetrainer bieten in der Regel verschiedene Kurse dieser Art an. Konzentriert lernt hier der Hund, einer Fährte nachzugehen:


Wem die Fährtenarbeit nicht zusagt, für den eignen sich stattdessen vielleicht kleinräumige Suchspiele. Hat man vielleicht darüber hinaus einen Hund, der nicht nur gerne sucht, sondern auch gerne zuträgt (apportiert), kann man die Suche und das Bringen sogar miteinander kombinieren. Die Möglichkeiten der Suchspiele sind vielfältig und der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Für Welpen und junge Hunde eignen sich zu Beginn Futtersuchen in niedrigen Gras. Hierbei verstreut man zunächst sichtig für den Hund Leckerchen auf ca. 5x5m Fläche und gibt ihm anschließend das Kommando ‘Such’ und lobt den Hund, wenn dieser mit seiner Nase die Fläche absucht. Das Futter ist dann die ultimative Belohnung. Die Befürchtung, dass der Hund aufgrund dieses Spieles zukünftig alles Fressbare draußen aufnimmt, möchte ich an dieser Stelle entkräften! Der Hund lernt bei diesem Spiel, dass er auf Kommando etwas tun darf. Möchte er im Freilauf etwas aufnehmen, was er nicht soll, liegt es am Hundebesitzer, dies entsprechend zu unterbinden. Der Hund wird schnell lernen, dass die Suche mit Befehl erlaubt ist, ohne aber nicht. Genausowenig, wie der Hund durch Fährtenarbeit erst Interesse am Jagen entwickelt (dies ist bereits genetisch im Hund verankert!), entwickelt sich auch hier kein Fresstrieb nur, weil wir dem Hund beibringen, dass er mit unserer Erlaubnis Fressen darf. Wir machen uns mit den Spielen lediglich die natürlichen Anlagen des Hundes zunutze und lenken sie in die richtigen Bahnen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Hundebesitzern viel Spaß bei der artgerechten Auslastung und freue mich auf Erfahrungsberichte und Fragen!

 

 

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Das Komm-Kommando: Kommen unter Ablenkung (Teil 2)

In der letzten Woche haben wir uns mit dem Komm-Kommando: Grundlagen und Aufbau (Teil 1) beschäftigt. Nun geht es weiter mit anspruchsvolleren Übungen, um unserem Hund beizubringen, auch unter schwierigeren Bedingungen immer und auf direktem Weg zu uns zurück zu kommen.

Ausgangslage und Ablenkungen

Dein Hund sollte bis hierher ohne Probleme im Haus und in deinem Garten jederzeit per verbales Kommando oder Pfiffkommando abrufbar sein. Nun heißt es, genau zu beobachten, wenn dein Hund an anderen Dingen interessiert ist, also abgelenkt ist, und ihn dann zu rufen oder heran zu pfeifen. Ignoriert der Hund das Kommando, ist die Ablenkung zu gross gewesen und du solltest deinen Hund an Ort und Stelle abholen. Als Alternative zum Abholen, kann man sich in abgesicherten Gebieten verstecken. Die meisten Hunde schauen schon nach kurzer Zeit wieder von der Ablenkung auf und die Überraschung ist gross, wenn der Hundeführer aus dem Blickfeld verschwunden ist. Nun heißt es, abwarten und den Hund suchen lassen. Hat er dich gefunden, dann gibt es eine grosse Wiedersehensfeier oder eine andere Belohnung. Sicherlich wird dein Hund in den nächsten Minuten mehr aufpassen, dich nicht aus den Augen zu verlieren. Nun kann man auch die Hier-Übung nochmals wiederholen.

Wichtig bei den Abrufübungen unter Ablenkungen ist es, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welche Art der Ablenkung für den Hund groß ist und welcher Reiz eher gering. Tunlichst sollte man es nämlich vermeiden, die Ablenkungen anfangs zu gross zu wählen. So kann beispielsweise ein ruhender Ball ein geringer Ablenkungsreiz sein, während ein rollender Ball bereits einen größeren Reiz darstellt. Artgenossen üben in der Regel für die meisten Hunde einen besonders großen Reiz aus. Aber jeder Hund ist anders und du mußt für dich heraus finden, welche Reize wie auf deinen Hund wirken.

Übungen für das Kommen unter Ablenkung: Reizstufe 1

Übung 1: Kommen mit Ablenkung durch eine Hilfsperson
In einer deinem Hund bekannten Umgebung, bewegst du dich mit deinem Hund ohne genaueres Ziel über das Feld oder die Wiese. Die Hilfsperson steht zunächst mit etwas Abstand zu euch in einem möglichst großen Winkel, ohne sich dabei zu bewegen. Lasse deinen Hund sich frei bewegen und gehe du selbst auch mit über die Wiese. Merkst du, dass dein Hund etwas unachtsamer wird bzw. sich einem Reiz widmet, pfeifst du ihn ab. Wiederhole das Ganze ein- bis zweimal. Nun bittest du die Hilfsperson, sich auch mit zu bewegen. Nimmt dein Hund die Hilfsperson wahr, dann rufe ihn sofort zu dir. Läuft der Hund trotzdem zur Hilfsperson, sollte diese den Hund auf jeden Fall ignorieren und deine Aufgabe ist es, deinen Hund nun zu dir zu holen.

Übung 2: Kommen mit Ablenkung durch Gegenstände
Die Übung baust du genauso auf wie die Übung 1 mit dem Unterschied, dass du anstelle einer Hilfsperson ein Spielzeug mit zum Übungsplatz nimmst. Ziel ist es, dass der Hund auch diesen Reiz ignoriert und auf direktem Weg zu dir kommt. Anfangs sollte man den Winkel zwischen Hund und Spielzeug möglichst groß wählen. Das heißt, du setzt deinen Hund im Feld ab, gehst nach links oder rechts von ihm einige Meter weg, legst das Spielzeug sichtig für ihn auf den Boden und läufst anschließend in entgegengesetzte Richtung vom Gegenstand weg. Nun rufst du den Hund zu dir.

Übung 3: Kommen mit Ablenkung durch andere Hunde
Sicherlich eine der schwereren Übungen am Anfang. Diese Übung sollte erst dann ausprobiert werden, wenn Übung 1 und 2 immer klappen und auch die Reiz-Anforderungen aus den anderen Übungen hoch genug geworden sind und das Kommando trotzdem befolgt wird. Das Kommen unter Ablenkung durch andere Hunde ist besonders schwer, da andere Hunde auf die meisten Hunden einen großen Reiz ausüben. Für diese Übung wählt man am Besten einen bereits gut im Gehorsam stehenden Hund, der seine Artgenossen weitesgehend ignoriert und locker an der Leine mitläuft. Im Grunde wird die Übung wie Übung 1 und 2 aufgebaut, nur dass dieses Mal eine Hilfsperson mit einem angeleinten Hund in mittlerer Distanz über das Feld läuft. Achte auch hier darauf, dass der Abstand zwischen dir und deinem Hund erst gering ist und der zwischen euch beiden und dem anderen Hundegespann möglichst groß. Klappt das Abrufen hier gut, dann kann die Distanz und der Winkel in den nächsten Tagen verkleinert werden.

Mit der Zeit kann man die Reize höher gestalten. Dabei ist unbedingt zu beachten, sich immer genau zu überlegen: was kann mein Hund schon und aus welchen Situationen kann ich ihn abrufen/abpfeifen und bei welchen Situationen ist der Reiz noch zu groß? Ist der Reiz zu groß, sollte auf ein Abrufen verzichtet werden und der Hund an Ort und Stelle abgeholt werden, denn jedes ignorierte Kommando wirft einen in der Ausbildung wieder zwei Schritte zurück. In unübersichtlichen Gebieten mit hoher Wilddichte oder in Nähe von Straßenverkehr empfehlen wir, den Hund während seiner Ausbildung unbedingt gesichert an einer langen Leinen laufen zu lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass das Abrufen bei Auftreten eines großen Reizes (Anblick von Wild im Wald oder auf dem Feld oder Anblick eines fremden Hundes auf der anderen Straßenseite) noch nicht funktioniert.

Du hast Fragen zum Komm-Training? Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit dir!

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Das Komm-Kommando: Grundlagen und Aufbau (Teil 1)

Was sich wohl jeder Hundehalter wünscht: Ein Hund, der auf das Kommando *Hier* oder *Komm* noch im Laufen umdreht und sofort zum Hundeführer zurück kehrt, egal wie groß die Ablenkung für ihn auch sein mag. Dies ist keine Selbstverständlichkeit und muss mit viel Training, Geduld und Konsequenz dem Hund beigebracht werden. Sicheres Abrufen aus allen Situationen heraus ist die Lebensversicherung für den Hund, denn ob Wildkontakt, nahendes Auto, Spaziergänger oder Artgenossen: in unseren eng besiedelten Gebieten muss ein Hund abrufbar sein, wenn er ohne Leine laufen darf. Wir haben einige Tipps, sowie eine ausführliche Anleitung zum Trainieren des Abrufkommandos zusammen gestellt. In Teil 1 widmen wir uns den allgemeinen Grundlagen und den ersten Trainingsschritten.

Grundlagen des Komm-Trainings

Wann kann man mit dem Komm-Training beginnen?

Idealerweise beginnt man mit dem Aufbau des Komm-Kommandos bereits im Welpenalter. Natürlich kann man auch dem älteren Hund das Herankommen auf Wort- oder Pfiffkommando beibringen, man braucht nur etwas mehr Ausdauer und sollte berücksichtigen, dass der ältere Hund aufgrund seiner Erfahrung unter Umständen bereits gelernt hat, dass er das Komm-Kommando auch einmal nicht befolgt und daraus keine Konsequenz erfolgt ist. Man braucht folglich länger mit dem Training als bei einem Welpen, der von sich heraus bereits nah am Hundeführer bleiben möchte. Für Hunde, die bereits in der Vergangenheit nicht abrufbar gewesen sind oder die in der Welpen- und Junghundezeit mehrfach erfolgreich sich dem Komm-Kommando entzogen haben, kann es ratsam sein parallel zum Komm-Training das Schleppleinentraining durchzuführen. So verhindert man, dass der Hund sich während des Trainingsaufbaus dem Kommando entzieht. Eine genaue Anleitung zu diesem Training findest du hier.

Wahl des richtigen Kommandos (verbales Kommando und Pfeifkommando)

Du solltest dich auf ein bestimmtes Wortkommando, besser noch auf ein Pfeifkommando mittels einer Hundepfeife festlegen, welches du nur für das Abrufen/Abpfeifen deines Hundes verwenden wirst. Das Wortkommando sollte eindeutig sein, also bsp. *Hier* oder *Komm*, wobei *Komm* bei vielen Hundehaltern bereits im Alltag in anderen Situationen verwendet wird (Beispiel: “Komm mal mit*, “Komm mal her* usw.).
Wir empfehlen den Gebrauch einer Hundepfeife. Nicht etwa, weil der Hund darauf ‘besser’ hört, was viele Leute irrtümlicherweise annehmen, sondern weil die Pfeife dem verbalen Kommando gegenüber einen entscheidenen Vorteil besitzt: sie klingt immer gleich, egal wie aufgeregt, gestresst oder verärgert der Hundeführer ist. Die Tonlage macht nämlich durchaus einen Unterschied, ob dein Hund gerne zurück kommt oder nicht. Als Hundepfeifen eignen sich Plastikpfeifen mit einer festgelegten Frequenz, die man sich am Besten irgendwo vermerkt, für den Fall, dass die Pfeife einmal verloren geht. So kann man gleich klingende Hundepfeifen jederzeit nachkaufen. Als Pfiff-Kommando kann man einen kurzen Doppelpfiff (tüt-tüt) oder auch einen langen Doppelpfiff verwenden. Wichtig ist auch hier, dass der Pfiff immer gleich klingt und nicht bei einem Mal kurz und beim nächsten Mal lang ausgeführt wird. Am Besten übt man es vor der ersten Anwendung am Hund zunächst allein außer Hörweite des Hundes.

Weitere Trainingshilfen

Für den Beginn des Trainings benötigst du außerdem die Futterschüssel deines Hundes sowie Leckerchen. Ist dein Hund ein mäkeliger Fresser und lässt sich dafür umso mehr von Spielzeug begeistern, ist dies das Mittel für die positive Bestätigung eines richtig ausgeführten Kommandos. Einige Hunde bevorzugen auch die rein verbale Bestärkung oder mögen lieber gestreichelt werden. Richtig loben und bestärken will gelernt sein. Auch hierfür haben wir bereits Tipps und Ratschläge in dem Artikel Positive Bestärkung zusammen getragen.

Trainingsanleitung für das Komm-Kommando (Teil 1)

Trainingsschritt 1: Verknüpfung des Kommandos mit einer positiven Erfahrung (Konsequenz)

Am Besten beginnt man damit, dem Hund zur Fressenszeit das Wort- oder Pfiffkommando beizubringen. Die Fütterungssituation nutzen wir deshalb als Hilfe, weil der Hund seine Futterschüssel i.d.R. bereits kennt und sich somit automatisch in die unmittelbare Nähe des Hundeführers begibt.  Man verknüpft die Futtervergabe mit dem jeweiligen Kommando, d.h. bevor die Schüssel auf den Boden gestellt wird, wird das Kommando gegeben und anschließend darf der Hund sein Fressen nehmen. Nun mag mancher einlenken, dass der Hund ohne zu warten, sein Futter fressen darf. Dies ist im ersten Schritt erst einmal egal und wird später separat geübt. Zunächst geht es ausschließlich darum, dem Hund eine überaus positive Verknüpfung für das Kommando ‘Hier’, ‘Komm’ oder den Pfiff beizubringen. Die meisten Hunde verknüpfen bereits nach drei, vier Mahlzeiten, dass dem Kommando das Fressen folgt.
Ob der Hund das Signal verstanden hat, probiert man nach ein paar Übungstagen wie folgt: man bereitet das Futter unbemerkt zu und überrascht den Hund mit dem Kommpfiff oder dem verbalen Kommando. Kommt dein Hund mit fliegenden Ohren angesaust, hat er das Kommando bereits verstanden und du kannst zum nächsten Trainingsschritt übergehen.

Trainingsschritt 2: Kommen in bekannter (reizarmer) Umgebung ohne Ablenkung

Wenn dein Hund das Komm-Kommando verstanden hat, dann wird das Abrufen mehrmals am Tag außerhalb der Fütterungszeiten im Haus und im eigenen Garten geübt. Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass man das Kommando wirklich nur dann gibt, wenn man sich 100%ig sicher ist, dass der Hund auch in der Situation kommt. Daher empfiehlt es sich, Situationen abzuwarten, in denen der Hund sich sowieso gerade auf dem Weg zu einem befindet, oder bereits Blickkontakt zu dir aufgenommen hat und nicht allzu weit von einem entfernt ist. Erleichtern kann man dem Hund das Herankommen zusätzlich durch eine positive Körpersprache (gerade bei Welpen), indem man sich auf den Boden hockt, die Arme ausbreitet und das Körpergewicht leicht nach hinten verlagert. Ist der Hund bei dir, lobst du ihn mit hoher Stimme und er bekommt ein Leckerchen oder ein tolles Spiel mit dir. Anschließend gibst du ihm ein Freikommando wie bsp. ‘Lauf’ und der Hund darf wieder seine eigenen Wege gehen. Wichtig ist, dass du bestimmst, wann die Übung beendet ist und nicht dein Hund.

Spielerisch kann man das Kommtraining natürlich auch gestalten. Hierfür braucht man einen Helfer, der den Hund festhält. Dafür bitte aber nicht den Hund am Nackenfell, sondern ihn vorne an der Brust halten. Gut ist es, wenn der Hund sich dabei ruhig verhält. Der Hundeführer entfernt sich dann ein paar Meter, hockt sich auf den Boden. Verhält sich der Hund ruhig (d.h. er will sich nicht aus dem Festhalten heraus winden), dann ruft/pfeift man den Hund zu sich heran und vergibt als Belohnung ein Leckerchen. Anschliessend ruft der Helfer den Hund zu sich. Klappt das, dann kann man die Entfernung zwischen den beiden Personen vergrößern. Achte darauf, den Hund im Training nicht zu überfordern. Am Anfang reichen kleine Trainingseinheiten von 5 Minuten, teilweise auch kürzer. Lieber öfter am Tag kurze Einheiten, als einmal am Tag 20 Minuten.

Wie verhält man sich, wenn der Hund auf das Kommando nicht kommt? In dieser Trainingsphase kommen Hunde nicht auf das Kommando, wenn sie abgelenkt sind oder zu weit entfernt vom Hundeführer sind. Auf keinen Fall pfeift oder ruft man dann noch einmal, denn dann lernt der Hund, dass er auf das erste  Kommando nicht zu kommen braucht. Besser ist es, wenn man nach einem erfolglosen Abrufen zum Hund geht und ihn kommentarlos abholt. Dies gilt natürlich in erster Linie für Welpen. Bei Hunden, die sich im Schleppleinentraining befinden, dient hier nun die lange Leine zur Absicherung, um den Hund abholen und anleinen zu können, ohne dass er sich entzieht.

Hast du noch Fragen zum Teil 1? Dann schreibe uns einen Kommentar. Wir antworten gerne! Du hast weitere Ideen, wie man diese Trainingspahse interessant gestalten kann? Wir sind gespannt auf deine Anregungen und freuen uns auf den Austausch hier im Blog! In der Trainingsanleitung Teil 2 widmen wir uns nächste Woche dem Kommen unter Ablenkung.

Rike und Robin

Mein Hund hat Angst – Das Leben mit einem Angsthund

Unerschrocken und fröhlich an der Seite seines Hundeführers – das ist das Bild, das die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie an ein Leben mit Hund denken. Aber es gibt auch  Hunde, die keineswegs unerschrocken und ruhig sind, sondern die sich bei Gewitter unter dem Tisch verkriechen, vor Mülltonnen Reißaus nehmen und bei unbekanntem Lärm panikartig die Flucht ergreifen. Oft handelt es sich dabei um typische Angsthunde, die unsere Unterstützung benötigen um den Alltag stressfrei zu meistern. Wir haben uns mit Rike unterhalten, die einen sechs Jahre alten Border Collie namens Robin führt. Robin ist ein Angst- und Stresshund und sie schildert uns ihre Erfahrungen mit seinen Ängsten und zeigt auf, wie sie gemeinsam einen Weg gefunden haben mit dieser Angst umzugehen.

SLEEPY DOG: “Rike, erzähl uns ein bißchen über Robin: wo kommt er her, wie alt ist er und wie würdest du ihn charakterlich beschreiben?”
Rike: “Robin wurde 2005 geboren, ist nun also 6 Jahre alt und seines Zeichens ein Border Collie aus Showlinie. Als ich ihn bekam, war ich 17 und er 10 Wochen alt, was ich deshalb erwähne, weil es für uns beide rückblickend sicher der Grund für einige vermeidbare Probleme ist- kurzum: ich glaube, ich war einfach zu jung für diesen Typ Hund.”

SLEEPY DOG: “Du hast Robin mit 10 Wochen direkt vom Züchter geholt. Wie verhielt er sich als Welpe?”
Rike: “Robin wurde als Welpe gut sozialisiert, was auch ich aus meiner Sicht gleich weitergeführt habe. Jedenfalls kann ich nicht behaupten, dass ich nachlässig gewesen wäre was die weitergehende Sozialisierung angeht. Ich war mit ihm in der Stadt, im Kindergarten, in Turnhallen, auf Volksfesten, in Bussen & Bahnen, in Baumärkten etc.- natürlich alles dem Alter entsprechend und in Maßen. Anfangs habe ich ihn meist getragen, wie man das halt so macht.”

SLEEPY DOG: “Wann hast du zum ersten Mal bemerkt, dass Robin ein Problem mit bestimmten Umweltreizen hat?”
Rike: “Schon recht früh mit ca. 3 Monaten zeigte Robin, dass ihn laute Geräusche, Menschenmengen und Trubel im Allgemeinen sehr stressen, was er quietschend und jaulend zum Ausdruck brachte. Sein ganzer Körper war in solchen Situationen immer auf „Spannung“, was sich wie folgt geäußert hat:

  • Aufgerissene Augen,
  • Angespannte Körperhaltung (insbesondere Brustkorb, Pfoten und die Rute),
  • Hibbelige Bewegungen, wie tänzelnde Schritte, die mich teilweise an den „Tölt“ beim Pferd erinnert haben, sich im Kreis drehen etc.,
  • Angelegte Ohren und
  • Extremer Bewegungsdrang; meist nach vorn…

Rückblickend weiß ich, dass ich ihm ganz einfach keine gute Führung war. Er war hilflos und absolut verunsichert, weil ich ihm nicht geholfen bzw. geführt habe. Außerdem konnte er schlecht abwarten, war zappelig und unruhig. War er an der Leine während ich irgendwo stand und ihm keine Aufmerksamkeit schenkte, äußerte sich das in:

  • Rastlosem Hin-und Herlaufen, soweit die Leine reichte
  • Leinekauen
  • Fiepsen und quietschen,
  • Schütteln,
  • Kratzen und wenn alles nichts half: bellen (wobei das eher selten der Fall war).

Sein Verhalten unterbrechen zu wollen, führte im Grunde nur dazu, dass er sich in seinem Repertoire was Neues aussuchte und von vorne loslegte. Ablenkungen nahm er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr an.
War er ohne Leine, lief er ununterbrochen im Trab. Langsames Gehen war bei ihm undenkbar. Wenn ich stand, lief er meist im Umkreis von etwa 50-100 Metern und schnappte nach imaginären Insekten. Das ist ein Stressmuster, was sich so eingeschliffen hat, dass er es bis heute zeigen würde, wenn ich ihn ließe.  Auch im Haus zeigte er irgendwann das rastlose Umherrennen, kam von allein nicht zur Ruhe, obwohl er totmüde war. Er war ständig angespannt. Wenn er mal schlief, dann schnell atmend und extrem leicht. Bei jedem Geräusch und jeder Bewegung wachte er auf und folgte mir, sobald ich aufstand. Dies hatte nichts mit Bindung zu tun, sondern war ein Kontrollverhalten aufgrund seiner extremen Unsicherheit.

SLEEPY DOG: “Gab es einen Punkt, an dem du gemerkt hast, dass sich etwas ändern muß?”
Rike: “Im Sommer 2006 eskalierte für mich diese ganze Situation. Ich war bei einer Freundin zu Besuch, die mir Jahre danach mal sagte „Boah, ich hätte Robin keinen Tag länger in meiner Wohnung ertragen, der war unglaublich anstrengend“. Wir waren mit einigen Leuten am Wasser. Viele Hunde + Wasser + viele Menschen: bei Robin sind an dem Tag mehrere Synapsen völlig durchgeknallt. Er bellte ununterbrochen, war nicht mehr ansprechbar, lief permanent rastlos umher, war nicht abrufbar. Er floh vor mir, wenn ich ihn einfangen wollte. Seine Augäpfel waren mehr draußen als drinnen. Er rannte, obwohl er eigentlich nicht mehr konnte und war ganz und gar in seiner eigenen Welt gefangen. Ich war völlig überfordert.

SLEEPY DOG: “Was kam dann?”
Rike: “Ich habe zunächst im Alltag grundlegende Dinge geändert! Robin bekam bei uns im Wohnbereich endlich seinen eigenen Platz. Bis dahin hatte er nur seinen Kennel in meinem Zimmer (obere Etage), aber keinen Platz im Wohnbereich, wo sich natürlich tagsüber das ganze Leben abspielte. Es war ein extrem harter Kampf, weil er anfangs immer wieder aufstand. Zwei Tage lang haben wir beide gekämpft und ich habe ihn den ersten Tag 158 Mal (!) zurück auf seinen Platz gebracht. Wohlgemerkt nur einem Vormittag. Schon nach wenigen Tagen sah ich eine regelrechte Erleichterung in seinem Blick, wenn ich ihn auf seinen Platz schickte. Er brauchte diese Fremdkontrolle, denn allein wäre er nie zur Ruhe gekommen. Für unterwegs war von fortan sein Platz neben meinem linken Bein. Das wurde zu einer Art Ritual. Ich klopfe dann immer an mein linkes Bein, muntere ihn auf, zu mir zu kommen und sage „Mach Pause“. Meiner Erfahrung nach hilft es den unsicheren Hunden ungemein, wenn man irgendwann kleines Sichtbares hat, was immer gleich ist. Auch die Verknüpfung „Ich habe da zu liegen, wo Mutti den Schlüsselbund hinlegt“ oder „Mein Platz für Ruhe ist immer dort, die Packung Taschentücher hingelegt wird“ ist dafür geeignet. Das ist für den unsicheren Hund jedenfalls hilfreicher als jedes Mal eine neue Ecke gezeigt zu bekommen und ihn dort „ohne alles“ abzulegen.”

SLEEPY DOG: “Was denkst du, war das Hauptproblem für Robins Stress und Angst?”
Rike: “Das Kernproblem bei Robin und mir war lange Jahre, dass ich ihn absolut falsch eingeschätzt hatte. Sein unruhiges Verhalten, meine Unfähigkeit ihn zur Ruhe zu bekommen, der irrsinnig weitere Radius, den er auf Spaziergängen hatte, aber auch, dass er nach außen immer bei Hundebegegnungen „auf dicke Hose“ gemacht hat, wenns dann aber hart auf hart kam. Das ah aber nur nach außen hin so aus, denn wenn der andere Hund auf ihn reagierte, lief er quietschend von mir weg. Für mich war das ein Zeichen fehlender Bindung. Das war dummerweise grundlegend falsch, worauf mich aber erst eine Freundin 2009 brachte.”

SLEEPY DOG: “Warum war fehlende Bindung zwischen Robin und dir letztlich nicht das Problem?”
Rike: “Meine Freundin gab den entscheidenen Hinweis. Robin war nicht derjenige, der das Problem war, sondern das war ich selbst. Meine eigene Unsicherheit habe ich versucht zu kaschieren. Ich selber mag keine einengenden und hektischen Situationen. Robin war nichts anderes als ein Spiegelbild von mir. Meine Freundin sprach all das aus, was ich jahrelang gespürt, aber nie in Worte hatte fassen können. Mir war immer klar, dass Robin und ich eine Verbindung hatten, die auf anderen Ebenen ablief, aber irgendwie war ich immer frustriert, weil wir nie „normal“ waren.

SLEEPY DOG: “Hast du diese Theorie in der Praxis bestätigen können?”
Rike: “Noch am gleichen Tag, machten wir einen kleinen Test im Wald. Meine Freundin hat ebenfalls zwei Border Collie, die Robin sehr liebt. Wir sind mit den Hunden los gegangen, die Hunde etwa 15-20 Meter voraus. Ich bin irgendwann kommentarlos abgebogen. Robin merkte das, lief aber weiter mit meiner Freundin mit. Ich war schon wieder bei dem Gedanken, dass ich ihm egal war. Aber der zweite Test ließ mich wirklich in Tränen ausbrechen. Wir haben uns nach einiger Zeit wieder kommentarlos getrennt, Robin merkte es wieder, lief aber wieder mit ihr mit. Irgendwann rief ich ihn dann und plötzlich brach blanke Panik in ihm aus. Er rannte zurück aus der Ecke, woher meine Stimme kam, drehte dann nach 10 Meter auf dem Absatz um klettete sich an meine Freundin. Ich pfiff noch mal, er raste daraufhin wieder los, nur um nach 10 Metern wieder umzudrehen, um zurück zu laufen, weil er mich zwar hörte, aber nicht sah. Er war völlig panisch wegen des Dilemas: „Lauf ich los und suche Mama, riskiere dabei aber die andere Person als Sicherheit zu verlieren oder bleib ich lieber hier und finde Mutti nicht“. Irgendwann pfiff und rief ich dann ohne Pause und dann ging regelrecht ein Ruck durch den Hund und er raste mit Vollgas um die Ecke und zu mir. Als er mich sah, legte er noch mal an Tempo zu, sprang mir mit einem Satz in die Arme und lutschte mein Gesicht. Sein ganzes Wesen sagte nur „Mach das NIE NIE wieder“…”
Und so kam es, dass ich mit 21 Jahren schreiend, heulend, fluchend, lachend und zitternd zugleich im Wald stand und meinen Hund zum ersten Mal sah, wie er wirklich war.

SLEEPY DOG: “Ein einschneidenes Erlebnis für beide für euch, oder?”
Rike: “Geschlagene zwei Wochen habe ich mich danach zurückgezogen, über alles nachgedacht, viele Dinge aus meiner persönlichen Vergangenheit aufgearbeitet, überarbeitet, neu sortiert, Ungeklärtes und Belastendes bedacht und neu überdacht. In der Zeit zog Robin sich sehr von mir zurück. Nach zwei Wochen stand ich eines Morgens auf, Robin kam zu mir, ich sah ihn an und meinte nur „Und jetzt zu uns beiden“, worauf er den Kopf schräg legte, mich anstupste und sich an mich kuschelte. Mir liefen die Tränen.”

SLEEPY DOG: “Was hast du konkret geändert, um Robin mehr Halt und Sicherheit zu geben?”
Rike: “Wie schon erwähnt habe, hat Robin ein ganz schlechtes Körpergefühl. Ich bin in unserem Fall quasi sein Körpergefühl und ich denke, das kann man auf den Großteil der stressempfindlichen Hunde übertragen. Man muss als Mensch lernen, seinen Hund in jeder Situation einschätzen zu lernen, auf Nuancen zu achten und diese zu bewerten á la „Wie weit kann ich jetzt gehen?“ „Höre ich lieber mit dem Training auf oder hält er noch eine Übung durch?“ ; „Nehme ich ihn lieber aus der Situation raus oder hilft es ihm mehr, wenn er bei mir bleibt?“ etc.
Konkret heißt das:

  1. Ich bin da, du bist bei mir sicher, ich beschütze dich:
    Nehmt es als Mantra, schreibt es euch auf nen Zettel und tragt ihn immer bei euch. Versucht mit jeder Faser eures Körpers diesen Satz auszustrahlen. Geht im Kopf Szenarien durch und überlegt euch, wie ihr handeln wollt, auch wenn sie im ersten Moment radikal wirken. Beispiel: ein anderen Hund greift euren an- wie wollt ihr reagieren, wenn euer Hund sich darauf verlassen soll, dass er bei euch sicher ist? Wie weit seid ihr bereit zu gehen? Überlegt es euch in einer stillen Stunde, dann ist es mit Sicherheit sofort präsent, wenn ihr mal in die Situation geratet. Ich für meinen Teil wurde gleich am nächsten Tag getestet und stand zwischen zwei ausgewachsenen Schäferhundrüden, die –ohne zu übertreiben- Robin umbringen wollten. Ich habe gebrüllt, wie ich nie zuvor gebrüllt habe, um Ropbin zu beschützen.
  2. Das ist dein Platz. Geh da nicht weg. Du hast jetzt Sendepause!
    Es ist wichtig, dass der Hund einen Platz zugewiesen bekommt. Für die Ruhephase natürlich extrem wichtig, aber auch auf Spaziergängen und unterwegs extrem wichtig. Bei Robin und mir ist es die linke Seite. Er geht ausnahmslos, ohne Diskussion an meiner linken Seite. Mal mehr, mal weniger eng, aber immer links. Das gibt unglaublich ihm viel Sicherheit. Der ängstliche Hund nimmt das in der Regel sehr, sehr gern an und wird immer an „seine“ Seite zurückkehren. Das ist total hilfreich für den Alltag bei Hundebegegnungen, denen man ausweichen möchte oder oder oder. Hund eingeparkt und dran vorbei.
  3. Frustrationstoleranz: oder wie spiele ich mit einem Hibbelhund? Stupides Bällchenwerfen, Zerrspiele, Jagdspiele und alles was Geschwindigkeit erfordert sollte man sich beim Hibbelhund doppelt und dreifach überlegen. Ich habe bei Robin NIE Bälle geworfen, Agility gemacht oder Fußball gespielt und trotzdem pusht er sich sofort von Null auf Hundert hoch. Sein mangelndes Körpergefühl ist due Ursache dafür. Aber was nun stattdessen? In unserem Fall haben sich Such- und Apportierspiele bewährt. Robin liebt das Suchen und da es nahezu unbegrenzte Möglichkeiten gibt, Suchspiele zu variieren, wird es uns auch nach sechs Jahren nicht langweilig. Nasenarbeit ist für den Hund körperlich geistig (wegen der hohen Konzentration) wie körperlich (weil er auf der Suche nach Keksen/Spielzeug manchmal viel Geschick einsetzen muss, um ans Ziel zu kommen) extrem anstrengend. Das Apportieren macht einfach Spaß, wobei Robin auch hier mittlerweile ziemlich aufdreht, wenn ich es nicht im Keim ersticke. Er beutelt dann das Spielzeug, knurrt und will mich zu Zerrspielen auffordern- da muss man dann halt klar wissen, was man will. Aber es eignet sich super, um die Frustrationstoleranz im Kleinen auszubauen: Spielzeug wird geworfen, aber der Hund muss sitzen bleiben. Erst auf Kommando darf er los. Dann auf dem Weg dahin noch mal ablegen und wieder losschicken. Oder Spielzeug werfen, Hund muss liegen bleiben und dann erst noch fünf Schritte Bei-Fuß laufen oder nen Slalom durch die Beine gehen, bevor er es holen darf. Allseits bekannte Übungen, aber sehr effektiv, um einen Hibbelhund auf Dauer zu entspannen.
  4. Ich betüddel ihn nicht… ich betüddel ihn nicht… ooh, du aaarmer… ach Mist! Ist man sich erstmal darüber bewusst, wie ängstlich der Hund ist, will man ihm ja auch helfen. Ich bin dann auch direkt in die nächste Falle getappt und hab ihn „überbetüddelt“ in dem Wunsch, ihm zu helfen. Das ganze ging (natürlich) voll nach hinten los und Robins „Beachtungspunktekonto“ war so was von überfüllt, dass er mir im Alltag öfter mal die Mittelkralle gezeigt hat bzw. meine „Überbetüddelung“ ihn ebenfalls gestresst hat. Weniger ist hier mehr. Dass der Hund beispielsweise bei Sylvester nicht betüddelt werden muss, wenn er Angst hat, weiß man mittlerweile, aber bei Robin hilft es auch zum Beispiel, wenn ich im ersten Moment wirklich gar nicht auf ihn eingehe, sobald ihn etwas erschreckt. Situation heute z.B.: wir sind im Park und in unserer Nähe geht ein Böller los. Robin erschreckt sich furchtbar. Seine erste Reaktion: Körper angespannt, Ohren eingeklappt, Schwanz eingezogen und Blick zu Mutti. Ich hab zwar in seine Richtung, aber nicht ihn direkt angeschaut und bin einfach weiter meines Weges gegangen. Er kam dann auf mich zu, um bei mir Schutz zu suchen, woraufhin ich dann aufmunternd meinte „Gehen wir weiter, ne Dicker?!“ und bin in gemütlichem Schlendertempo weiter. Nach ca. 20 Metern lief er schon recht weit vorn, ich rufe ihn zurück, lasse ihn durch meine Beine laufen, mache zwei Tricks mit ihm, er kriegt nen Keks und schon der Böller fast vergessen…So schwer es fällt: Sicherheit geben durch Präsenz, aber nicht betüddeln. Und nach einiger Zeit dann die Gedanken umlenken.

SLEEPY DOG: “Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht und die vielen Tipps. Wir wünschen dir und Robin weiterhin einen tollen, gemeinsamen Weg!

Rike und Robin

Trainingsferien

Hundeerziehung macht Freu(n)de

Ein gut erzogener Begleithund ist ein gern gesehener Hund. Ob in der Stadt, im Wald, im Restaurant oder bei Freunden: wenn der Hund auf seine erlernten Kommandos hört, seinem Hundeführer folgt und man sich selber an einige Regeln hält, ist das Mitnehmen von Hunden meist kein Problem.

Generell sollte es das Ziel eines jeden Hundebesitzers sein, seinen Hund – egal ob groß oder klein – zu einem folgsamen Begleithund auszubilden und sich selber an einige selbstverständliche Verhaltensregeln zu halten, um das Bild des Hundehalters in der Öffentlichkeit positiv zu prägen. Aus unserer Sicht betrifft das Thema Erziehung Hund und Hundebesitzer!

Verhalten in der Stadt

Das Hundeleben in der Stadt ist nicht immer einfach. Wenig Grünflächen, die Parkanlagen sind oft für Hunde außerhalb der Wege gesperrt, zudem sind Müll und Glasscherben oft Gefahrenherde für Hunde. Eine Grundregel für jeden Hundebesitzer sollte sein, dass der Hundekot ordnungsgemäß entsorgt wird. Viele Städte bieten mittlerweile Hundekotbeutelstationen an, an denen man kostenlos die Beutel zur Kotentsorgung erhält und entsorgen kann. Ohne diese Stationen reichen i.d.R. kleine Plastikbrottüten, mit denen man den Hundehaufen eintüten und entsorgen kann. Das Einsammeln des Hundekots sollte eine Selbstverständlichkeit sein, denn zum einen tritt niemand (egal ob Hundebesitzer oder nicht) gerne in diese Tretminen, zum anderen kann Hundekot Infektionskrankheiten übertragen. Gerade in der Stadt ist die Geruchsbelästigung im Sommer durch nicht entsorgten Hundekot immens. Das stört nicht nur Hundesupernasen, sondern auch das unempfindlichere Riechorgan des Menschen.

Die Mitnahme von Hunden in Lebensmittelgeschäfte ist grundsätzlich aus hygienischen Gründen nicht erlaubt, andere Geschäfte weisen durch Verbotsschilder darauf hin, dass Hunde vor der Tür warten müssen. Man ist jedoch auch ohne Schild gerade bei kleinen Geschäften und Restaurants gut beraten, vor dem Betreten zu fragen, ob der Hund mit in den Laden darf oder draussen vor der Tür warten soll. Eine direkte Ansprache stösst meist auf freundliche, positive Resonanz.

In einigen Gemeinden gilt eine Leinenpflicht. Ob dies auch auf deinen Wohnort zutrifft, erfragst du beim Ordnungsamt.

Verhalten in Wald und Feld

Die Natur auf einem langen Hundespaziergang zu genießen, ist sowohl für den Hund als auch für den Besitzer vermutlich eine der schönsten Formen der Entspannung. Ist der Hund abrufbar, kann er in Wald und Feld frei laufen und schnüffeln und es ist ausreichend Platz zum Toben und Spielen.

Obwohl das Bundeswaldgesetz generell das Betreten des Waldes abseits der Wege gestattet, sollte große Rücksichtnahme seitens des Hundebesitzers erfolgen, um das Wild nicht zu stören und die Flora und Fauna in ihrem Artenreichtum zu erhalten. Es empfiehlt sich, die Waldwege zu benutzen und dafür zu sorgen, dass der Hund nicht abseits der Wege in den Wald läuft. Besonders gilt dies für die Zeit der Jungenaufzucht in den Monaten März bis Juni sowie im Winter, wenn Schnee und Eis die Erde bedecken. Manchmal gilt im Zeitraum der sogenannten Brut- und Setzzeit auch im Wald die Leinenpflicht. Dies ist meist extra auf Schildern ausgewiesen.

Zur Rücksichtnahme im Wald gehört auch, dass ein bei Wildansicht nicht abrufbarer Hund im Wald an der Leine geführt werden muss. Ohne Leine sollte sich der Hund immer in der Nähe des Hundeführers aufhalten. Wie du deinem Hund dies beibringen kannst, erklären wir beispielhaft unter unseren Trainingstipps zum Schleppleinen-Training. Ob es regionale Sonderregelungen zur Leinenpflicht im Wald gibt, erfragt man am Besten über das Landratsamt oder die örtliche Jägerschaft (Hegering).

Verhalten bei Hundebegegnungen

Die Kommunikation der Hunde untereinander ist sehr komplex und fein. Wir Menschen nehmen die minimalen Kommunikationsgebärden der Hunde oft nicht wahr oder interpretieren sie falsch.

Da die Hundesprache sehr fein ist, wird sie maßgeblich dadurch beeinflusst,dass der Hund sich frei bewegen kann. Vermutlich hast du schon einmal beobachtet, dass Hunde niemals frontal aufeinander zulaufen, sondern in einem leichten Bogen aufeinander zugehen. Führst du deinen Hund an der Leine, so ist er in dieser natürlichen Kommunikationsform eingeschränkt. Dies ist ein Grund, warum Hundekontakte an der Leine ab und an mit grummelnden und bellenden Hunden oder schlimmer noch: mit einer Beisserei enden.

Im Grunde ist die Regel einfach: ist mein Hund an der Leine, vermeide ich Hundekontakt, egal ob der andere Hund angeleint ist oder nicht. Kommt mir ein unangeleinter Hund entgegen, so leine ich meinen, nach Rücksprache mit dem anderen Hundebesitzer und Einschätzung der Umgebungssituation ebenfalls ab oder bitte den anderen Hundeführer, seinen Hund ebenfalls an die Leine oder ins freie Fuss zu nehmen. Sind beide Hunde abgeleint, sollte man sich dennoch vorab mit dem anderen Hundeführer verständigen, ob der Hundekontakt erwünscht ist. Auch hier gilt: Kommunikation ist alles!

Wer sich näher mit dem Thema der Hundesprache, der sogenannten Calming Signals beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das Buch “Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde” von Turid Rugaas. Es ist faszinierend, zu erfahren, wie Hunde miteinander kommunizieren.

Fazit

Gegenseitige Rücksichtnahme und eine gute Information, was wo mit Hund erlaubt ist und was nicht, erleichtern den Alltag im Hundeleben ungemein und machen deinen Hund und dich zum gern gesehenen Gast.