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Hund Baum Ball_Titel

Alter Hund? Denkste!

Hund Baum Ball_Titel

Nächsten Monat feiert unser Senior Geburtstag. 12 Jahre – und es vergeht selten ein Spaziergang auf dem wir nicht darauf angesprochen werden, dass er ja sicher noch ein ganz junger Hund sei. Nun ja, an seinem Gangbild erkennt man doch mitunter, dass er nicht mehr der Jüngste ist, aber verhaltenstechnisch…nun ja.

Ja, auch er hat mittlerweile eine längere Regenerationsphase nach langen Wanderungen, aber problemlos sind die täglichen Spaziergänge und die absolute Leidenschaft für alles was rund ist. Da erwacht der Jagdinstinkt binnen Millisekunden. So auch letzte Woche. Die Hunde hatten auf unserem Gartengrundstück in einer der Brombeerhecken vor einigen Wochen einen Wurfball mit Kordel ‘erjagt’, dieser nun bei jedem Besuch im Garten ausgebiegist bespielt und sich gegenseitig abgejagt wurde. Unsere Hunde sind da SEHR ausdauernd und irgendwann nervte es mich so sehr, dass ich den Ball in einem unbeobachteten Augenblick hoch in den Haselnussbusch hängte, um endlich meine Ruhe zu haben. Ich vergaß es dann auch bis zum nächsten Gartenbesuch…
Ich wunderte mich bereits in den ersten Minuten nach unserer Ankunft, warum der Senior aufgeregt mit witternder Nase durch den Garten lief. Da wir oft Rehwild und auch Fuchs zu Besuch haben, dachte ich mir aber nichts dabei. Irgendwann sah ich dann aus den Augenwinkeln folgendes Bild:

Hund Baum Ball_1

Er hatte den Ball entdeckt. Und wer diesen Hund kennt, der ahnt es schon: es gab kein Halten mehr. Zunächst wurde der Ball hypnotisiert – vielleicht fällt er wie einer der Äpfel im Garten ja urplötzlich einfach so vom Strauch?

Als nächstes wurde die Klettertaktik erprobt:

Hund Baum Ball_2

Dabei versucht hund durch hochklettern, an das Objekt der Begierde zu gelangen. Das Prinzip funktioniert aus Erfahrung aber eher an Kirsch- und an Apfelbäumen. Die Äste der Hasel sind zu dünn und rutschig. Es beschäftigt den Senior aber für gute 30 Minuten. Zwischendrin probiert hund durch Bellen möglichst zielgenaue Schallwellen zu produzieren, die das Ding da oben endlich zum Absturz bewegen. Beide Taktiken scheitern jedoch. Es hilft also nix, auch mit 12 werden höchste Ansprüche an den Bewegungsapparat gestellt:

Hund Baum Ball_3

 

Und da man mit 12 wirklich ausreichend Lebenserfahrung besitzt, ist einer der Sprungerfolge tatsächlich erfolgreich. Selten sehe ich so ein Strahlen in den Augen des Hundes wie in solchen Augenblicken! Ausdauernd, beutestark und intelligent – hoffentlich bleibt der ‘alte’ Hund noch so lange jung!

 

 

Oscar Schildkröte

Oscars Welt: Schildkröten sind keine Kauartikel

In erster Linie ist Oscar ein Hund. Hunde kauen gern. In zweiter Linie ist Oscar aber auch ein Retriever, was von ‘to retrieve’ kommt und übersetzt in etwa: ‘zutragen’ bedeutet. Die Rasse wird in erster Linie für die jagdliche Arbeit nach dem Schuss gezüchtet, um krank geschossenes oder erlegtes Wild dem Schützen zu zu tragen. Retriever tragen dementsprechend vieles: von der Brötchentüte über Bälle bis hin zu Dummies. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Retriever ausschließlich Dinge tragen, die sie tragen sollen, sondern sie tragen auch Dinge, die nicht explizit in Auftrag gegeben werden.

Oscar war etwa 2 Jahre alt, als sich folgende Episode zutrug: wir waren auf Stippvisite bei Bekannten und Oscar durfte sich frei im Garten bewegen, während wir einen gemütlichen Plausch hielten. Irgendwann verschwand Oscar Richtung Schuppen und war ein Weilchen unterwegs, weswegen ich ihn zu uns rief. Man kann ja nie wissen. Er kam auch postwendend und vor allem schwanzwedelnd zu uns. Für mich ein deutliches Zeichen, dass er irgendetwas im Fang schmuggelte. Er hat dann immer diesen leicht, verklärten Gesichtsausdruck. Ich rief ihn folglich zu mir heran und gab ihm das Kommando ‘Aus’. Langsam öffnete er seinen Fang und präsentierte mir etwas, was definitiv nicht nach Ball oder Brötchen aussah, sondern mehr wie ein platter, großer Stein. In dem Augenblick kam auch schon der Nachbar um die Ecke und rief aufgeregt, ob wir Bruno gesehen hätten. Bruno? Mir dämmerte etwas. Bruno hatte sich sicherheitshalber in das dritte Untergeschoss in den Panic-Room zurück gezogen, aber bei genauerer Betrachtung des Gegenstandes, den ich ihn der Hand hielt, wurde mir sehr bewusst, dass Bruno bei mir in ‘Sicherheit’ war und dass ich keinesfalls einen Stein in der Hand hielt. Bruno sah mich nicht ganz als schützendes Refugium, denn meine nähere Bekanntschaft wollte er zunächst nicht machen. Zu allem Überfluss hatte Brunos schützendes Dach leichte Beschädigung genommen. Das hat man nun davon, wenn man seinen Hund roh ernährt. Schildkröten sind eben nicht die passenden Kauartikel! Nun war guter Rat teuer. Oscar schaute etwas belämmert aus der Wäsche. Ja, ich weiß, Hunde haben kein schlechtes Gewissen, aber er sah doch ein klein wenig danach aus. Wir suchten derweil im Rasen fieberhaft nach Brunos fehlenden Panzerstückchen und fanden auch einige, aber ein großes Stück fehlte. Ein Blick zu Oscar (der dabei leicht zurück wich, vermutlich ahnte er, was kommen sollte) und dann ging es ab zum Tierarzt. Mit der passenden Spritze konnten wir das fehlende Panzerteil von Bruno wieder hervor befördern. Oscar fand das nicht so toll, aber Bruno war das sichtlich egal, dem hätte es sonst auf ewig bei ihm rein geregnet, was ja auch nicht so toll ist. Ausgleichende Gerechtigkeit also. Bruno genoss anschließend 5 Tage (für uns kostspieligen) Aufenthalt in der Wellnessklinik und hat weder einen bleibenden gesundheitlichen noch einen psychischen Schaden behalten, soweit wir das beurteilen können. Und Oscar? Er ist immer noch ein Hund, der gerne kaut und ein Retriever, der gerne trägt, aber er paßt nun immer ganz besonders auf, ob er wirklich einen Stein apportiert. Und wir? Wir haben ihm sicherheitshalber beigebracht, dass es nur wenige Dinge gibt, auf denen er rumkauen darf.