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Kontakt mit Artgenossen

Stadt-Land-Hund! Hundehaltung in der Stadt und auf dem Land

Braucht ein Hund ein Hundeleben auf dem Land um glücklich zu sein? Benötigt man wirklich einen Garten, um einen Hund artgerecht halten zu können? Darf ich einen Hund in meiner Einzimmerwohnung halten? Darf mein Hund im Freien oder im Zwinger schlafen? Was braucht (m)ein Hund, um artgerecht und damit glücklich zu sein? Viele Fragen gehen in der Regel der Hundeanschaffung voraus. Unter anderem fragt sich ein verantwortungsbewusster angehender Hundehalter, welche Haltungsform und damit Lebensform für den Hund artgerecht ist. Nichts wird dabei so kontrovers diskutiert, wie die grundsätzlichen Formen der Hundehaltung aussehen sollten.

Zunächst lohnt sich ein Blick in das Tierschutzgesetz. Hier heißt es in Paragraph 2: “Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,…” Heißt im Klartext, dass der Hund gefüttert, bewegt und entsprechend seiner Rasse artgerecht gehalten werden muß. Letzteres läßt Interpretationsspielraum zu, denn was für einen Mops artgerecht ist, ist es für eine Dogge nicht unbedingt, wenn man beispielsweise Höhe der Fütterungsmenge und Bewegungsangebot miteinander vergleicht. Weitere Informationen liefert die Tierschutzhundeverordnung. Hier werden in Paragraph 2 die allgemeinen Anforderungen an die Hundehaltung geregelt und in den Paragraphen 4, 5 und 6 die Anforderungen an das Halten von Hunden im Freien, in Räumen und im Zwinger. Das Gesetz regelt somit die Mindestanforderungen bei der Hundehaltung. Alles was darüber hinaus geht, ist rein rechtlich betrachtet also ein AddOn und mit diesem möchten wir uns ein wenig näher beschäftigen.

Vor der Hundeanschaffung sollte man sich zunächst genauer mit der Hunderasse beschäftigen. Jede Hunderasse hat eine ursprüngliche Verwendung und an dieser sollte sich die Form der Haltung orientieren. Beispiel: rein rechtlich gesehen dürfte man einen Mops in einem Zwinger von 6qm halten, da der Mops aber als Schoß- und Begleithund seine ursprüngliche Rasseverwendung hat, wäre er nur mäßig begeistert von dieser Haltungsform und sicherlich würde ein verantwortungsvoller Mops-Züchter seine Nachzucht nicht an jemanden verkaufen, der diese Haltungsform beabsichtigt. Umgekehrt gibt es Hunderassen wie Beispielsweise der Husky, der sich im Freien oder im Zwinger absolut wohlfühlt und für den beheizte Wohnräume nur bedingt geeignet sind. Ich möchte an dieser Stelle kein Urteil fällen. Sicherlich gibt es Huskys, die (sofern sie andernweitig ausreichend beschäftigt werden) auch in der Wohnung und im Haus gehalten werden können, aber insgesamt ist das Halten immer als ein Zusammenspiel aus Haltung und Bewegung/Beschäftigung anzusehen. Dementsprechend ist meiner Meinung nach auch die Zwingerhaltung zu beurteilen. Schutzhunde, die stundenweise im Zwinger untergebracht sind, aber als Ausgleich artgerechte Beschäftigung erfahren, sind sicher genauso glücklich wie Artgenossen, die 24 Stunden im Haus verbringen. Dagegen gibt es Hunderassen, die unbedingt die dauerhafte, enge Anbindung an den Menschen benötigen. Diese rassespezifischen Eigenschaften sollte man vor dem Hundekauf berücksichtigen, wenn man eine bestimmte Haltungsform beabsichtigt und ein verantwortungsvoller Züchter weist im Gespräch immer darauf hin, was die Hunderasse benötigt und wie sie gehalten werden sollte.

Neben der reinen Haltung von Hunden ist die Beschäftigung und Bewegung von Hunden zu betrachten. Denn ein kuscheliges Hundebett im Haus sowie ein 1000qm großer Garten mag zwar rein von der Haltungsform artgerecht für einen Labrador Retriever sein, er wird sich jedoch bald ziemlich langweilen und auf interessante Ideen der Gartenumgestaltung kommen! Ein Hund braucht Beschäftigung und zwar am Besten artgerechte Beschäftigung! Dazu zählt neben ausreichend Bewegung und Kontakt zu Artgenossen eine Auslastung gemäß seiner Rasse. Nun muß (um beim Beispiel Retriever zu bleiben) der Hund nicht gleich zur Jagd geführt werden, aber Retriever sind ziemlich glücklich, wenn sie apportieren und Beschäftigungen rund um die Nasenarbeit erledigen dürfen (Bsp. Leckerchensuche, Fährtenarbeit etc.). Solange ein Hund seine rasseursprüngliche Verwendung in irgendeiner Form ausleben darf und hier gefordert wird oder mit Alternativen wie DogDancing, Longieren, Agility u.v.m. beschäftigt wird, kann man auch in einer Einzimmerwohnung mitten in der Stadt leben. Und ja, natürlich – es gibt Ausnahmen von Hunden, die auch mit dreimal Gassirunde um den Häuserblock zufrieden sind, aber die Regel ist das nicht!

Was macht eine gute Hundehaltung zusammenfassend aus?
1. Ausreichend Bewegung in Form von Spaziergängen und/oder Fahrradfahren o.ä.

Fahrradfahren mit Hund

2. Kontakt zu Artgenossen

Kontakt mit Artgenossen

3. Ausreichend Beschäftigung (idealerweise eine Beschäftigung, die seiner Rasseverwendung entspricht)

Artgerechte Beschäftigung

4. Eine artgerechte Haltung mit einem Ruheplatz zum Zurückziehen und Schlafen

Gesunder Hundeschlaf

5. Und natürlich eine ausgewogene Ernährung sowie einen Hundehalter, der seinen Hund gern hat und sich mit ihm beschäftigt. Denn auch konsequente Erziehung ist ein Grundpfeiler der artgerechte Hundehaltung.

Bindung

 

 

Trainingsferien

Hundeerziehung macht Freu(n)de

Ein gut erzogener Begleithund ist ein gern gesehener Hund. Ob in der Stadt, im Wald, im Restaurant oder bei Freunden: wenn der Hund auf seine erlernten Kommandos hört, seinem Hundeführer folgt und man sich selber an einige Regeln hält, ist das Mitnehmen von Hunden meist kein Problem.

Generell sollte es das Ziel eines jeden Hundebesitzers sein, seinen Hund – egal ob groß oder klein – zu einem folgsamen Begleithund auszubilden und sich selber an einige selbstverständliche Verhaltensregeln zu halten, um das Bild des Hundehalters in der Öffentlichkeit positiv zu prägen. Aus unserer Sicht betrifft das Thema Erziehung Hund und Hundebesitzer!

Verhalten in der Stadt

Das Hundeleben in der Stadt ist nicht immer einfach. Wenig Grünflächen, die Parkanlagen sind oft für Hunde außerhalb der Wege gesperrt, zudem sind Müll und Glasscherben oft Gefahrenherde für Hunde. Eine Grundregel für jeden Hundebesitzer sollte sein, dass der Hundekot ordnungsgemäß entsorgt wird. Viele Städte bieten mittlerweile Hundekotbeutelstationen an, an denen man kostenlos die Beutel zur Kotentsorgung erhält und entsorgen kann. Ohne diese Stationen reichen i.d.R. kleine Plastikbrottüten, mit denen man den Hundehaufen eintüten und entsorgen kann. Das Einsammeln des Hundekots sollte eine Selbstverständlichkeit sein, denn zum einen tritt niemand (egal ob Hundebesitzer oder nicht) gerne in diese Tretminen, zum anderen kann Hundekot Infektionskrankheiten übertragen. Gerade in der Stadt ist die Geruchsbelästigung im Sommer durch nicht entsorgten Hundekot immens. Das stört nicht nur Hundesupernasen, sondern auch das unempfindlichere Riechorgan des Menschen.

Die Mitnahme von Hunden in Lebensmittelgeschäfte ist grundsätzlich aus hygienischen Gründen nicht erlaubt, andere Geschäfte weisen durch Verbotsschilder darauf hin, dass Hunde vor der Tür warten müssen. Man ist jedoch auch ohne Schild gerade bei kleinen Geschäften und Restaurants gut beraten, vor dem Betreten zu fragen, ob der Hund mit in den Laden darf oder draussen vor der Tür warten soll. Eine direkte Ansprache stösst meist auf freundliche, positive Resonanz.

In einigen Gemeinden gilt eine Leinenpflicht. Ob dies auch auf deinen Wohnort zutrifft, erfragst du beim Ordnungsamt.

Verhalten in Wald und Feld

Die Natur auf einem langen Hundespaziergang zu genießen, ist sowohl für den Hund als auch für den Besitzer vermutlich eine der schönsten Formen der Entspannung. Ist der Hund abrufbar, kann er in Wald und Feld frei laufen und schnüffeln und es ist ausreichend Platz zum Toben und Spielen.

Obwohl das Bundeswaldgesetz generell das Betreten des Waldes abseits der Wege gestattet, sollte große Rücksichtnahme seitens des Hundebesitzers erfolgen, um das Wild nicht zu stören und die Flora und Fauna in ihrem Artenreichtum zu erhalten. Es empfiehlt sich, die Waldwege zu benutzen und dafür zu sorgen, dass der Hund nicht abseits der Wege in den Wald läuft. Besonders gilt dies für die Zeit der Jungenaufzucht in den Monaten März bis Juni sowie im Winter, wenn Schnee und Eis die Erde bedecken. Manchmal gilt im Zeitraum der sogenannten Brut- und Setzzeit auch im Wald die Leinenpflicht. Dies ist meist extra auf Schildern ausgewiesen.

Zur Rücksichtnahme im Wald gehört auch, dass ein bei Wildansicht nicht abrufbarer Hund im Wald an der Leine geführt werden muss. Ohne Leine sollte sich der Hund immer in der Nähe des Hundeführers aufhalten. Wie du deinem Hund dies beibringen kannst, erklären wir beispielhaft unter unseren Trainingstipps zum Schleppleinen-Training. Ob es regionale Sonderregelungen zur Leinenpflicht im Wald gibt, erfragt man am Besten über das Landratsamt oder die örtliche Jägerschaft (Hegering).

Verhalten bei Hundebegegnungen

Die Kommunikation der Hunde untereinander ist sehr komplex und fein. Wir Menschen nehmen die minimalen Kommunikationsgebärden der Hunde oft nicht wahr oder interpretieren sie falsch.

Da die Hundesprache sehr fein ist, wird sie maßgeblich dadurch beeinflusst,dass der Hund sich frei bewegen kann. Vermutlich hast du schon einmal beobachtet, dass Hunde niemals frontal aufeinander zulaufen, sondern in einem leichten Bogen aufeinander zugehen. Führst du deinen Hund an der Leine, so ist er in dieser natürlichen Kommunikationsform eingeschränkt. Dies ist ein Grund, warum Hundekontakte an der Leine ab und an mit grummelnden und bellenden Hunden oder schlimmer noch: mit einer Beisserei enden.

Im Grunde ist die Regel einfach: ist mein Hund an der Leine, vermeide ich Hundekontakt, egal ob der andere Hund angeleint ist oder nicht. Kommt mir ein unangeleinter Hund entgegen, so leine ich meinen, nach Rücksprache mit dem anderen Hundebesitzer und Einschätzung der Umgebungssituation ebenfalls ab oder bitte den anderen Hundeführer, seinen Hund ebenfalls an die Leine oder ins freie Fuss zu nehmen. Sind beide Hunde abgeleint, sollte man sich dennoch vorab mit dem anderen Hundeführer verständigen, ob der Hundekontakt erwünscht ist. Auch hier gilt: Kommunikation ist alles!

Wer sich näher mit dem Thema der Hundesprache, der sogenannten Calming Signals beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das Buch “Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde” von Turid Rugaas. Es ist faszinierend, zu erfahren, wie Hunde miteinander kommunizieren.

Fazit

Gegenseitige Rücksichtnahme und eine gute Information, was wo mit Hund erlaubt ist und was nicht, erleichtern den Alltag im Hundeleben ungemein und machen deinen Hund und dich zum gern gesehenen Gast.