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Dummy & Distraction 33

Das Komm-Kommando: Kommen unter Ablenkung (Teil 2)

In der letzten Woche haben wir uns mit dem Komm-Kommando: Grundlagen und Aufbau (Teil 1) beschäftigt. Nun geht es weiter mit anspruchsvolleren Übungen, um unserem Hund beizubringen, auch unter schwierigeren Bedingungen immer und auf direktem Weg zu uns zurück zu kommen.

Ausgangslage und Ablenkungen

Dein Hund sollte bis hierher ohne Probleme im Haus und in deinem Garten jederzeit per verbales Kommando oder Pfiffkommando abrufbar sein. Nun heißt es, genau zu beobachten, wenn dein Hund an anderen Dingen interessiert ist, also abgelenkt ist, und ihn dann zu rufen oder heran zu pfeifen. Ignoriert der Hund das Kommando, ist die Ablenkung zu gross gewesen und du solltest deinen Hund an Ort und Stelle abholen. Als Alternative zum Abholen, kann man sich in abgesicherten Gebieten verstecken. Die meisten Hunde schauen schon nach kurzer Zeit wieder von der Ablenkung auf und die Überraschung ist gross, wenn der Hundeführer aus dem Blickfeld verschwunden ist. Nun heißt es, abwarten und den Hund suchen lassen. Hat er dich gefunden, dann gibt es eine grosse Wiedersehensfeier oder eine andere Belohnung. Sicherlich wird dein Hund in den nächsten Minuten mehr aufpassen, dich nicht aus den Augen zu verlieren. Nun kann man auch die Hier-Übung nochmals wiederholen.

Wichtig bei den Abrufübungen unter Ablenkungen ist es, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welche Art der Ablenkung für den Hund groß ist und welcher Reiz eher gering. Tunlichst sollte man es nämlich vermeiden, die Ablenkungen anfangs zu gross zu wählen. So kann beispielsweise ein ruhender Ball ein geringer Ablenkungsreiz sein, während ein rollender Ball bereits einen größeren Reiz darstellt. Artgenossen üben in der Regel für die meisten Hunde einen besonders großen Reiz aus. Aber jeder Hund ist anders und du mußt für dich heraus finden, welche Reize wie auf deinen Hund wirken.

Übungen für das Kommen unter Ablenkung: Reizstufe 1

Übung 1: Kommen mit Ablenkung durch eine Hilfsperson
In einer deinem Hund bekannten Umgebung, bewegst du dich mit deinem Hund ohne genaueres Ziel über das Feld oder die Wiese. Die Hilfsperson steht zunächst mit etwas Abstand zu euch in einem möglichst großen Winkel, ohne sich dabei zu bewegen. Lasse deinen Hund sich frei bewegen und gehe du selbst auch mit über die Wiese. Merkst du, dass dein Hund etwas unachtsamer wird bzw. sich einem Reiz widmet, pfeifst du ihn ab. Wiederhole das Ganze ein- bis zweimal. Nun bittest du die Hilfsperson, sich auch mit zu bewegen. Nimmt dein Hund die Hilfsperson wahr, dann rufe ihn sofort zu dir. Läuft der Hund trotzdem zur Hilfsperson, sollte diese den Hund auf jeden Fall ignorieren und deine Aufgabe ist es, deinen Hund nun zu dir zu holen.

Übung 2: Kommen mit Ablenkung durch Gegenstände
Die Übung baust du genauso auf wie die Übung 1 mit dem Unterschied, dass du anstelle einer Hilfsperson ein Spielzeug mit zum Übungsplatz nimmst. Ziel ist es, dass der Hund auch diesen Reiz ignoriert und auf direktem Weg zu dir kommt. Anfangs sollte man den Winkel zwischen Hund und Spielzeug möglichst groß wählen. Das heißt, du setzt deinen Hund im Feld ab, gehst nach links oder rechts von ihm einige Meter weg, legst das Spielzeug sichtig für ihn auf den Boden und läufst anschließend in entgegengesetzte Richtung vom Gegenstand weg. Nun rufst du den Hund zu dir.

Übung 3: Kommen mit Ablenkung durch andere Hunde
Sicherlich eine der schwereren Übungen am Anfang. Diese Übung sollte erst dann ausprobiert werden, wenn Übung 1 und 2 immer klappen und auch die Reiz-Anforderungen aus den anderen Übungen hoch genug geworden sind und das Kommando trotzdem befolgt wird. Das Kommen unter Ablenkung durch andere Hunde ist besonders schwer, da andere Hunde auf die meisten Hunden einen großen Reiz ausüben. Für diese Übung wählt man am Besten einen bereits gut im Gehorsam stehenden Hund, der seine Artgenossen weitesgehend ignoriert und locker an der Leine mitläuft. Im Grunde wird die Übung wie Übung 1 und 2 aufgebaut, nur dass dieses Mal eine Hilfsperson mit einem angeleinten Hund in mittlerer Distanz über das Feld läuft. Achte auch hier darauf, dass der Abstand zwischen dir und deinem Hund erst gering ist und der zwischen euch beiden und dem anderen Hundegespann möglichst groß. Klappt das Abrufen hier gut, dann kann die Distanz und der Winkel in den nächsten Tagen verkleinert werden.

Mit der Zeit kann man die Reize höher gestalten. Dabei ist unbedingt zu beachten, sich immer genau zu überlegen: was kann mein Hund schon und aus welchen Situationen kann ich ihn abrufen/abpfeifen und bei welchen Situationen ist der Reiz noch zu groß? Ist der Reiz zu groß, sollte auf ein Abrufen verzichtet werden und der Hund an Ort und Stelle abgeholt werden, denn jedes ignorierte Kommando wirft einen in der Ausbildung wieder zwei Schritte zurück. In unübersichtlichen Gebieten mit hoher Wilddichte oder in Nähe von Straßenverkehr empfehlen wir, den Hund während seiner Ausbildung unbedingt gesichert an einer langen Leinen laufen zu lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass das Abrufen bei Auftreten eines großen Reizes (Anblick von Wild im Wald oder auf dem Feld oder Anblick eines fremden Hundes auf der anderen Straßenseite) noch nicht funktioniert.

Du hast Fragen zum Komm-Training? Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit dir!