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Elchlederleine 145cm in Action

Von der Bedeutung des Lobens

Sicherlich kennt ihr dieses Gefühl: man schlendert entspannt durch den Wald, die Hunde flitzen vor einem hin und her. Man kann die Seele baumeln lassen, entspannen und weil die Hunde mittlerweile (nach viel Mühe und Schweiß!) gut erzogen sind, braucht man auch nicht 100% des Spaziergangs auf der Hut vor allem Möglichen sein.

Einfach herrlich!

Und doch beschlich mich vor einigen Wochen das Gefühl, dass ich mich zu sehr darauf verlasse, dass die Hunde ‘funktionieren’. Zugegeben, ist der Hund erst einmal vier Jahre alt, dann liegen die vielen, vielen Trainingseinheiten hinter einem. In der Regel sollte ein erzogener Hund spätestens dann über einen soliden Grundgehorsam verfügen. 100% Quote in allen Lebenslagen gibt es bei Hunden nicht, aber im Großen und Ganzen sollte es passen.

Woher kam also mein Gefühl, dass es irgendwie so vor sich hin dümpelt? Ich beobachtete meine Hunde genauer auf einer unserer morgendlichen Runden durch die Weinberge und stellte fest: Ja, sie kommen, wenn ich sie zu mir pfeife, sie sitzen auch auf Entfernung, wenn ich den Sitz-Pfiff gebe und Fusslaufen machen sie natürlich auch, wenn sie sollen. Aber irgendwie fehlte die Dynamik und Freude bei der Ausführung. Sie machten es, weil ich es ihnen beigebracht hatte, weil ich auf eine Handvoll Kommandos bestehe und sie durchsetze und weil beispielsweise mein Komm-Pfiff klassisch konditioniert ist. Das heißt: sie können gar nicht anders, als postwendend umzudrehen und zu kommen, wenn ich pfeife, genau wie der Speichelreflex beim Pawlow’schen Hund. Natürlich lobe ich beide – immer mal wieder – und verließ mich darauf, dass ihnen das eben reicht…oder auch wie ein deutsches Sprichwort besagt: “Nichts gesagt, ist gelobt genug.”

Irgendwie gefiel mir das nicht, also packte ich heimlich Fleischwurst und Tennisball ein, beides absolute Highlights für meine Hunde und in der Belohnungsskala an Nr. 1 und Nr. 2. Als mittlerweile recht erfahrener Hundeführer ist mir natürlich theoretisch klar, warum das Loben so wichtig für das Erlernen von Kommandos ist. Schnell geht man aber dazu über, ausgeführte Kommandos als selbstverständlich hinzunehmen. Loben ist aber eben nicht nur in der Lernphase oder nach Befolgen des Kommandos in einer brenzligen Situation wichtig. Das zeigten mir meine beiden eindrucksvoll auf einem der letzten Spaziergänge. Da zauberte ich nämlich urplötzlich nach dem Ausführen eines Komm-Pfiffes ohne nennenswerte Ablenkung (!), Fleischwurst als Belohnung hervor. Wenn ich es nicht besser wußte, so würde ich sagen, die beiden freuten sich ‘nen Keks (oder ‘ne Wurst).
Auch bei den nächsten befolgten Befehlen belohnte ich jedes Mal. Mal durch verbales Loben, mal mit einem Wurf des Tennisballs oder mit besonderen Leckeren. Die Hunde waren begeistert! Sie kamen schnell, freudig und – ja – lachend (bilde ich mir ein), der Aktionsradius auf der Wanderung verringerte sich und die Aufmerksamkeit war geschärft.

Hunde brauchen es, für korrekt ausgeführtes Verhalten mehr und intensiv gelobt zu werden! Sie brauchen es, denn wir Menschen sind dazu geneigt, ihren Gehorsam viel zu oft als Selbstverständlich hinzunehmen. Wir brauchen aber nur auf uns selbst schauen und stellen schnell fest: das fleissige Bienchen, dessen Leistung, Engagement und Einsatz von Kollegen/Familie/Freunden nicht ab und zu lobend erwähnt und bestärkt wird, verliert an Freude und Motivation bei der Arbeit.
So wie wir positives Feedback aus unserer Umgebung brauchen, brauchen es unsere Hunde auch! Also: packt die Wurst, Bällchen, Futterbeutel, Frisbee, oder was auch immer für eure Hunde die optimale Bestärkung ist, auf den nächsten Spaziergang wieder ein und lobt das Selbstverständliche!

Biothane Schleppleine signalorange Startfoto

Training mit der Schleppleine

Wenn der Hund auf den Kommpfiff oder den “Hier”- Ruf nicht zuverlässig hört und ausführt, jagen geht oder beim Anblick von anderen Hund nicht mehr abrufbar ist, hilft in vielen Fällen nur noch ein sukzessiver neuer Aufbau des “Hier” Kommandos oder/und des Hier-Pfiffes. Damit der Hund in dieser sensiblen Zeit des Neuaufbaus nicht zum Erfolg kommt, indem er den Ruf/Pfiff ignoriert und nicht kommt, oder beim Abmachen der Leine sofort ausbüxt, empfiehlt es sich, den Hund in dieser Zeit an einer langen Leine, auch Schleppleine genannt, zu führen.

Eine Schleppleine sollte 10m bis 15m Länge haben und gut in der Hand liegen. Besonders eignen sich hierzu Leinen aus Biothane, da sich diese nicht mit Wasser und Dreck vollsaugen und auch im Unterholz nicht verknoten. Man selbst trägt am Besten Fahrradhandschuhe, damit man im Falle des ruckartigen Loslaufen des Hundes, keine Brandwunden davon trägt. Die Schleppleinen aus Biothane bieten wir übrigens auch bei uns im Onlineshop in verschiedenen Ausführungen an.

Das Hundetraining beginnt man am Besten wie folgt:

‘Konditionierung’ der Hundeleine

Die Schleppleine wird in den ersten 10 Tagen immer zum Fressen und gemeinsamen Kuscheln und Spielen angelegt, so dass der Hund sie positiv verknüpft. Sie sollte generell nun auf jedem Spaziergang um sein, auch wenn man die normale Hundeleine zum Spaziergehen benutzt. In den Tagen der Konditionierung auf jeden Fall mit der normalen Hundeleine spazieren gehen. Freilauf ist erst einmal gestrichen (den Hund in der Zeit mit Nasenarbeit beschäftigen). Man sollte nach Möglichkeit ein Geschirr verwenden. Zumindest zu Beginn, da in den ersten Trainingstagen u.U. schon der ein oder andere deftige Ruck auf den Nacken erfolgt. Die Schleppleine wird in den ersten 10 Tagen nicht eingesetzt, ausser, dass der Hund sie trägt und man den Rest der Leine in den Händen hat. Alles im Radius der normalen Hundeleine (2m), an der der Hund auch geführt wird. In der Zeit hat man die Möglichkeit, sich selber an den Umgang und die 10m Leine zu gewöhnen. Das braucht meistens ein wenig Zeit und Geduld.

Erstes Hundetraining an der Schleppleine

Goldene Regel: so lange der Hund sich im “Schleppleinen-Training” befindet ist die Schleppleine immer dran. Sowohl beim Training als auch auf jedem Spaziergang. Es darf keine Ausnahme geben!!!!
Nachdem die Leine positiv verknüpft wurde, geht es auf zum ersten Trainings-Spaziergang. Man sollte das Ende der Leine in der Hand behalten und die Leine langsam abwickeln, je weiter sich der Hund entfernt. Wichtig: Handschuhe tragen, sonst kann es Verbrennungen an den Händen geben, falls der Hund durchstartet.

Wichtig ist auch, dass die Leine eigentlich nur als Notanker dient. Das Training soll so laufen wie immer, d.h. die Leine ist nicht dazu da, den Hund zu sich ran zu ziehen, wenn der das Kommsignal überhört.
Man sollte ausserdem alle 3m in der Leine Knoten machen. Das hilft , wenn man auf die Leine tritt, dass die Leine nicht unter den Füssen durchrutscht.

Das Schleppleinen-Training ist grob in drei Blöcke aufgeteilt:

  1. Training mit der Schleppleine in der Hand
  2. Training mit schleifender Schleppleine
  3. Training mit gekürzter Schleppleine

Training mit der Schleppleine in der Hand

In erster Linie geht es darum, dass der Hund zunächst lernt, den 10m Radius von sich aus einzuhalten. Kurz vor dem Ende der Leine, sollte man den Hund durch eine Übung stoppen, denn der Hund soll nicht in die Leine laufen.
Dazu soll der Hundeführer dem Hund sein Freilaufkommando geben. Da er sich ja drei Meter vor Leinenende einen Knoten in die Leine gemacht hat, sollte er, sobald dieser Knoten durch seine Hände läuft, das Signal “Ende” ( o.ä.) geben und die Leine festhalten. Der Hund kennt das Kommando zu Beginn nicht und wird daher in die Leine laufen. Nun wird gewartet, bis sich die Leine von selbst lockert weil der Hund in HF Richtung zurück kommt, der Hund sich setzt oder zum Hundeführer schaut. Dies sollte er loben und dann weitergehen. Man lobt den Hund also durch das Weitergehen. Unbedingt hier die Belohnung variabel halten, sonst lernt der Hund, dass er nur bis zum Leinenende laufen muss, um seine Bestätigung zu erhalten.

Dieser Schritt wird so lange trainiert, bis der Hund von sich aus kurz vor Leinenende stoppt oder sich setzt. Ein Hund kann bsp. verschiedene Verhaltensweisen anbieten: er stoppt und nimmt Blickkontakt auf, oder er setzt sich oder er kommt zum Hundeführer zurück.

Im nächsten Schritt sollte man Kommandos einbauen, d.h. es gab am Ende der Leine Sitz Kommando oder einen Kommpfiff/-ruf. Da der Hund keine Möglichkeit hat, sich dem Kommando zu entziehen, ist dies auch immer durchsetzbar. Nur an die goldene Regel denken: den Hund niemals zu sich ranziehen! Wenn der Hund den Kommpfiff ignoriert, dann hingehen und den Hund abholen.

Diesen Trainingsschritt sollte durch unterschiedliche Spazierwege und unterschiedlich starke Reize generalisiert werden.

Training mit schleifender Schleppleine

Reagiert der Hund zuverlässig auf alle Signale und hält er den Radius ein, ohne in die Schleppleine zu laufen, dann kann man die Schleppleine schleifen lassen. Die Leine soll auf jeden Fall in Nähe des Hundeführers schleifen und die Übungen wie in Punkt 1. durchgeführt werden.
Kann man entspannt mit dem Hund spazieren gehen, hält der Hund den Radius ein, und er befolgt alle Kommandos zuverlässig, kommt Schritt 3.

Training mit gekürzter Schleppleine

Man kann die Schleppleine gegen eine Wäscheleine tauschen oder alternativ die Schleppleine um 1m pro Woche kürzen. Der Hund gewöhnt sich so nach und nach an das schwindene Gewicht und hat aber nach wie vor das Gefühl, kontrollierbar zu sein. Natürlich weiss der Hund, dass er nicht mehr so kontrollierbar wie vorher ist, aber der Hundeführer setzt so Vertrauen in seinen Hund und baut dieses nach und nach intensiver aus.

Klappt auch das zuverlässig, kann man beginnen, den Hund phasenweise für 10 Minuten ohne Leine laufen zu lassen. Die Phasen zwischen Freilauf und Wäscheleine/gekürzter Schleppleine sollten sich abwechseln. Gerade die ersten 30 Minuten können sich die meisten Hunde noch gut selbst beherrschen, dann schwindet diese Kontrolle und der Hund ist nicht mehr so einfach lenkbar.

Sollte es in der Trainingszeit dazu kommen, dass der Hund stiften geht, dann muss man erneut bei Schritt 1 beginnen. Auch wenn es sich langwierig liest und einige Zeit an Training bedeutet, es ist definitiv erfolgsversprechend. Und einige Monate intensives Training und Einschränkungen bedeuten bei konsequenter Durchführung für die Zukunft sorgenfreie Spaziergänge für den Rest des Hundelebens.

Hast du Interesse, dich ausführlicher mit dem Thema des Schleppleinentrainings zu befassen, dann empfiehlt sich folgende Lektüre:

Antijagdtraining – Wie man Hunde vom Jagen abhält von Pia Gröning und Ariane Ullrich

Schleppleine kaufen

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Schleppleinen. Spezielle Schleppleinen für die Fährtenarbeit bsp. von der Firma Niggeloh oder der klassische Lederriemen oder moderne Materialien wie bsp. Schleppleinen aus Biothanmaterial. Letzteres bevorzugen wir selbst, da das Material Nässe und Dreck nicht aufsaugt und sich die Leine und nicht so leicht verknotet. Nach dem Kauf kannst du direkt mit der Konditionierung und dem Training beginnen.

Schleppleine oder Flexileine

Oft stellt sich die Frage, ob man statt einer Schleppleine nicht auch eine Flexileine verwenden kann? Dieser Fragestellung haben wir nun einen eigenen Blogeintrag gewidmet.