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Oscar Schildkröte

Oscars Welt: Schildkröten sind keine Kauartikel

In erster Linie ist Oscar ein Hund. Hunde kauen gern. In zweiter Linie ist Oscar aber auch ein Retriever, was von ‘to retrieve’ kommt und übersetzt in etwa: ‘zutragen’ bedeutet. Die Rasse wird in erster Linie für die jagdliche Arbeit nach dem Schuss gezüchtet, um krank geschossenes oder erlegtes Wild dem Schützen zu zu tragen. Retriever tragen dementsprechend vieles: von der Brötchentüte über Bälle bis hin zu Dummies. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Retriever ausschließlich Dinge tragen, die sie tragen sollen, sondern sie tragen auch Dinge, die nicht explizit in Auftrag gegeben werden.

Oscar war etwa 2 Jahre alt, als sich folgende Episode zutrug: wir waren auf Stippvisite bei Bekannten und Oscar durfte sich frei im Garten bewegen, während wir einen gemütlichen Plausch hielten. Irgendwann verschwand Oscar Richtung Schuppen und war ein Weilchen unterwegs, weswegen ich ihn zu uns rief. Man kann ja nie wissen. Er kam auch postwendend und vor allem schwanzwedelnd zu uns. Für mich ein deutliches Zeichen, dass er irgendetwas im Fang schmuggelte. Er hat dann immer diesen leicht, verklärten Gesichtsausdruck. Ich rief ihn folglich zu mir heran und gab ihm das Kommando ‘Aus’. Langsam öffnete er seinen Fang und präsentierte mir etwas, was definitiv nicht nach Ball oder Brötchen aussah, sondern mehr wie ein platter, großer Stein. In dem Augenblick kam auch schon der Nachbar um die Ecke und rief aufgeregt, ob wir Bruno gesehen hätten. Bruno? Mir dämmerte etwas. Bruno hatte sich sicherheitshalber in das dritte Untergeschoss in den Panic-Room zurück gezogen, aber bei genauerer Betrachtung des Gegenstandes, den ich ihn der Hand hielt, wurde mir sehr bewusst, dass Bruno bei mir in ‘Sicherheit’ war und dass ich keinesfalls einen Stein in der Hand hielt. Bruno sah mich nicht ganz als schützendes Refugium, denn meine nähere Bekanntschaft wollte er zunächst nicht machen. Zu allem Überfluss hatte Brunos schützendes Dach leichte Beschädigung genommen. Das hat man nun davon, wenn man seinen Hund roh ernährt. Schildkröten sind eben nicht die passenden Kauartikel! Nun war guter Rat teuer. Oscar schaute etwas belämmert aus der Wäsche. Ja, ich weiß, Hunde haben kein schlechtes Gewissen, aber er sah doch ein klein wenig danach aus. Wir suchten derweil im Rasen fieberhaft nach Brunos fehlenden Panzerstückchen und fanden auch einige, aber ein großes Stück fehlte. Ein Blick zu Oscar (der dabei leicht zurück wich, vermutlich ahnte er, was kommen sollte) und dann ging es ab zum Tierarzt. Mit der passenden Spritze konnten wir das fehlende Panzerteil von Bruno wieder hervor befördern. Oscar fand das nicht so toll, aber Bruno war das sichtlich egal, dem hätte es sonst auf ewig bei ihm rein geregnet, was ja auch nicht so toll ist. Ausgleichende Gerechtigkeit also. Bruno genoss anschließend 5 Tage (für uns kostspieligen) Aufenthalt in der Wellnessklinik und hat weder einen bleibenden gesundheitlichen noch einen psychischen Schaden behalten, soweit wir das beurteilen können. Und Oscar? Er ist immer noch ein Hund, der gerne kaut und ein Retriever, der gerne trägt, aber er paßt nun immer ganz besonders auf, ob er wirklich einen Stein apportiert. Und wir? Wir haben ihm sicherheitshalber beigebracht, dass es nur wenige Dinge gibt, auf denen er rumkauen darf.

Entspannter Besuch beim Tierarzt

In bestimmten Situationen wie bsp. beim Tierarzt oder bei einer verletzten Pfote kann es sehr wichtig sein, dass dein Hund sich in Ruhe untersuchen läßt. Solche Situationen sind oft extrem stressig für Hunde (besonders wenn der Hund verletzt ist), so dass man ein entspanntes Liegen im Besten im Vorfeld in ruhiger und bekannter Umgebung immer wieder übt, damit es im Ernstfall unter Stress auch klappt.

Und so geht’s!

Setze dich auf den Boden und nimm ein Leckerchen in die Hand. Laß deinen Hund nun neben oder vor dir Platz machen und belohne ihn dafür mit einem Leckerchen. Streichel ihn und lobe ihn mit ruhiger Stimme. Wenn er entspannt im Platz liegt, nimmst du ein weiteres Leckerchen und hälst dieses so, dass er den Kopf auf den Boden legen muß, um an das Leckerchen zu gelangen. Liegt der Kopf auf dem Boden, dann belohne deinen Hund erneut mit dem Leckerchen. Im nächsten Schritt muß der Hund dazu gebracht werden, sich auf die Seite zu legen. Meist klappt dies am Besten, wenn das Leckerchen direkt nah am Kopf des Hundes vorbei geführt wird, so dass er zwar im Platz liegen bleibt, aber sich der Körper leicht verdreht. Dafür gibt es kein Patentrezept, sondern hier muß man ausprobieren, was der jeweilige Hund von sich aus anbietet. Manchmal hilft auch leichte Unterstützung bei der Rotation, so dass der Hund merkt, was du von ihm möchtest. Hier aber bitte kein allzu großes Mithelfen, denn passiv erlernte Trainingsschritte sind lediglich eine Trainingshilfe, ersetzen aber nicht, dass der Hund selber aktiv erlernen muß, was du von ihm erwartest.
Hat der Hund sich auf die Seite gelegt, mit dem Leckerchen belohnen und ihn ruhig streicheln.

Tip: einige Hunde sind so gierig aufs Leckerchen, dass sie sehr angespannt sind. In solchen Fällen lohnt es sich, auszuprobieren, ob man zunächst das Leckerchen weg läßt oder ein Spielzeug als Motivator einsetzt. Bei einigen Hunden reicht auch ein ruhig und freundlich gesprochenes Lob. Da es in der Hundeerziehung kein Patentrezept gibt, müßt ihr selber probieren, was für euer Team am Besten klappt.

Die einzelnen Schritte sollten, zunächst separat voneinander geübt werden, bevor man Platz, Kopf auf den Boden, auf die Seite legen, wie ein Puzzle zusammen setzt. Bitte ausreichend Pausen einplanen, um den Hund nicht zu überanstrengen. Jede neue Übung erfordert höchste Konzentration des Hundes. Einige wenige Wiederholungen reichen aus.

Klappt das auf die Seite legen zuverlässig, dann kann ein Kommando hierfür eingeführt werden. Dafür jedes Mal, wenn der Hund sich auf die Seite legt ein Kommando wie bsp. “Settle” oder “Seite” oder “Hinlegen” sagen. Hat der Hund das verstanden, dann sollte die Übung in anderer Umgebung  und unter zusätzlicher Ablenkung geübt werden. Denn nur wenn die Übung an Orten mit viel Ablenkung klappt, wird sie auch im Ernstfall beim Tierarzt und bei einer Verletzung klappen.

Wir wünschen viel Spaß beim Training!